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Drei verbreitete Mythen über Süßstoffe im Faktencheck

Faktencheck: Drei Mythen zu Süßstoffen, die sich hartnäckig halten – und von TV-Experten wiederholt werden

1. FALSCH: Täuschung des Hirns – Süßstoffe machen hungrig

Richtig ist:
Süßstoffe machen nicht hungrig. Sie haben keinen Einfluss auf den Insulin- und Blutzuckerspiegel.

Häufig wird argumentiert, dass unsere Bauchspeicheldrüse bereits durch den auf der Zunge wahrgenommenen süßen Geschmack, z.B. wenn wir ein Light-Getränk trinken, einen Zuckerschub erwartet und deshalb vorsorglich Insulin ausschüttet. Da der Schub beim Verzehr von Süßstoffen jedoch ausbleibt, sinkt der Blutzuckerspiegel wieder ab, worauf der Körper – so die These – mit einem Hungergefühl reagiert.

Aber: Die Bauchspeicheldrüse lässt sich nicht austricksen!
Zahlreiche Studien belegen, dass mit Süßstoff versetztes Wasser im Körper wirkt wie reines Wasser: Die Parameter Blutzucker- und Insulinspiegel sowie die Magenentleerung bleiben unverändert. Ein Heißhungergefühl entsteht nicht. So konnte in einer Studie gezeigt werden, dass mit Süßungsmitteln gesüßte Kekse ebenso sättigen wie die gezuckerte Variante, dabei aber zu niedrigeren Insulin- und Blutzuckerspiegeln führen (1).

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Süßstoff und Hunger:
https://suessstoff-verband.info/blog/suessstoffe-steigern-nicht-den-appetit/
https://suessstoff-verband.info/blog/sucralose-macht-nicht-hungrig/

2. FALSCH: Nicht gut für unseren Darm – Süßstoffe verändern die Darmflora

Richtig ist:
Süßstoffe haben wahrscheinlich keinen negativen Einfluss auf die Bakterien im Darm.

Die aktuelle SWEET-Studie beschäftigte sich unter anderem mit der Mikrobiom-These und zeichnete ein differenzierteres Bild: Die Süßstoffgruppe zeigte tendenziell positive Veränderungen, darunter ein vermehrtes Auftreten von Bakterien, die kurzkettige Fettsäuren produzieren — assoziiert mit einer Stärkung der Darmbarriere und einer positiven Beeinflussung des Immunsystems. Negative Effekte auf das Mikrobiom wurden nicht beobachtet (2).

Zudem erwähnenswert: Nicht jeder Süßstoff landet im Darm. Einige Süßstoffe werden bereits vor dem Eintritt in den Darm aufgespalten und gelangen erst gar nicht in den Darm.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Süßstoff und Darm:
https://suessstoff-verband.info/blog/neue-studie-zeigt-vorteile-von-suessstoffen-fuer-gewichtskontrolle-und-darmmikrobiom/

3. FALSCH: Risiko Demenz – Süßstoffe lassen das Gehirn altern

Richtig ist:
Ein direkter Zusammenhang zwischen Süßstoff-Verzehr und kognitivem Verfall kann nicht hergestellt werden, wie eine viel zitierte Beobachtungsstudie aus Brasilien zeigt (3). Die Autoren selbst sagen, dass sich aus den Ergebnissen keine kausalen Schlussfolgerungen ableiten lassen.

Viel medialer Lärm um nicht viel: Denn die Studie der Fachzeitschrift Neurology zeigt zudem viele weitere Schwächen. So können die Ergebnisse durch viele Störfaktoren beeinflusst werden, darunter die allgemeinen Ernährungsgewohnheiten, der Lebensstil und andere Gesundheitszustände. Darüber hinaus sind die beobachteten Differenzen zwar statistisch signifikant, aber so gering, dass sie keine klinische bzw. praktische Relevanz besitzen.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Süßstoff und kognitiver Verfall:
https://suessstoff-verband.info/blog/kein-kognitiver-verfall-durch-suessstoffe/

Weitere Süßstoff-Mythen finden Sie hier:
MYTHEN-CHECKER: DIE 12 GRÖSSTEN SÜSSSTOFF-MYTHEN

Quellen: 
(1)
Wu T, Bound MJ, Standfield SD, Bellon M, Young RL, Jones KL, Horowitz M, Rayner C. (2013). Artificial sweeteners have no effect on gastric emptying, glucagon-like peptide-1, or glycemia after oral glucose in healthy humans. Diabetes Care, Dec; 36(12): e202-3. doi: 10.2337/dc13-0958.
Gibson SA, Horgan GW, Francis LE, Gibson AA, Stephen AM. (2016). Low Calorie Beverage Consumption Is Associated with Energy and Nutrient Intakes and Diet Quality in British Adults. Nutrients, Jan 2; 8(1): 9. doi: 10.3390/nu8010009.
Miller PE, Perez V. (2014). Low-calorie sweeteners and body weight and composition: a meta-analysis of randomized controlled trials and prospective cohort studies. The American Journal of Clinical Nutrition, Sep; 100(3): 765-77. doi: 10.3945/ajcn.113.082826.
Zhang R, Noronha JC, Khan TA, McGlynn N, Back S, Grant SM, Kendall CWC, Sievenpiper JL. (2023). The Effect of Non-Nutritive Sweetened Beverages on Postprandial Glycemic and Endocrine Responses: A Systematic Review and Network Meta-Analysis. Nutrients, Feb 20; 15(4): 1050. doi: 10.3390/ nu15041050.
Greyling A, Appleton KM, Raben A, Mela DJ. (2020). Acute glycemic and insulinemic effects of low-energy sweeteners: a systematic review and metaanalysis of randomized controlled trials. The American Journal of Clinical Nutrition, Oct 1; 112(4): 1002-1014. doi: 10.1093/ajcn/nqaa167.
Gibbons C, Beaulieu K, Almiron-Roig E, Navas-Carretero S, Mart√≠nez JA, O’Hara B, O’Connor D, Nazare JA, Le Bail A, Rannou C, Hardman C, Wilton M, Kj√∏lb√¶k L, Scott C, Moshoyiannis H, Raben A, Harrold JA, Halford JCG, Finlayson G. (2024). Acute and two-week effects of neotame, stevia rebaudioside M and sucrose-sweetened biscuits on postprandial appetite and endocrine response in adults with overweight/obesity – a randomised crossover trial from the SWEET consortium. EBioMedicine, Apr; 102: 105005. doi: 10.1016/j.ebiom.2024.105005.
(2)
Pang, M.D., Kjølbæk, L., Bastings, J.J.A.J. et al. Effect of sweeteners and sweetness enhancers on weight management and gut microbiota composition in individuals with overweight or obesity: the SWEET study. Nat Metab 7, 2083–2098 (2025).https://doi.org/10.1038/s42255-025-01381-z
(3)
Goncalves et al. (2025). Association Between Consumption of Lowand No-Calorie Artificial Sweeteners and Cognitive Decline – An 8-year prospective study. Neurology ;105:e214023.https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000214023.

 

 

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