Süßstoffe schlecht fürs Herz?  – Nein!

Süßstoffe schlecht fürs Herz?  – Nein!

Experten der Diabetes and Nutrition Study Group (DNSG) der European Association for the Study of Diabetes (EASD) stellten im Frühjahr 2022 in einer systematischen Überprüfung und Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien (RCTs) fest, dass kalorienfrei gesüßte Getränke bei der Verringerung des Körpergewichts und kardiometabolischer Risikofaktoren hilfreich sind, wenn sie zuckergesüßte Getränke in der Ernährung ersetzen. Ihr Nutzen ist sogar mit dem von Wasser vergleichbar. Dazu überprüften und analysierten die Ernährungs- und Diabetesexperten alle verfügbaren Studien, die die Auswirkungen von kalorienarm/kalorienfrei gesüßten Getränken auf das Gewicht und kardiometabolische Faktoren im Blick haben und analysierten, ob kalorienarme Getränke als Ersatz für zuckergesüßte Getränke, ähnliche Verbesserungen wie Wasser erzielen können.

Zusammenfassung: Die EASD Studie im Überblick

  • Die Studie bestätigt eine positive Rolle von kalorienarmen/kalorienfreien gesüßten Getränken bei der Verringerung des Körpergewichts und kardiometabolischer Risikofaktoren, wenn diese zuckergesüßte Getränke in der Ernährung ersetzen.
  • Kalorienarm/kalorienfrei gesüßte Getränke wurden mit einer Verringerung des Körpergewichts, des Body-Mass-Index, des prozentualen Körperfettanteils und der intrahepatozellulären Lipide bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas sowie Diabetes bzw. Diabetes Risiko in Verbindung gebracht, wenn sie mit zuckergesüßten Getränken verglichen wurden.
  • Der Nutzen war ähnlich wie der von Wasser, der Standard-Substitution, was kalorienarme/kalorienfreie gesüßte Getränke zu einer hilfreichen Ersatzstrategie für zuckerhaltige Getränke macht.

(Mehr Informationen zur Studie finden sich hier: https://suessstoff-verband.info/blog/studie-bestaetigt-kalorienfrei-gesuesste-getraenke-so-nuetzlich-wie-wasser/)

Neue Studie: Sind Süßstoffe ein Risiko für das Herz-Kreislauf-System?

Bei der nun von Debras, Chazelas, et al (2) vorgelegten Studie, aus der die Schlussfolgerung gezogen wird, dass es einen möglichen Zusammenhang zwischen dem höheren Konsum von Süßungsmitteln und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt, handelt es sich im Gegensatz zur EASD-Studie um eine prospektive Kohortenstudie, d.h. um eine Beobachtungsstudie.

Was ist eine Kohortenstudie?

Eine Kohortenstudie ist ein beobachtendes Studiendesign der Epidemiologie mit dem Ziel, einen Zusammenhang zwischen einer oder mehreren Expositionen und dem Auftreten einer Krankheit aufzudecken.

Daten aus NutriNet-Santé Studie übernommen

Die Wissenschaftler griffen hierfür auf die Daten aus der NutriNet-Santé Studie zurück. Diese Studie ist eine fortlaufende webbasierte Befragung, die den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit genauso wie das Essverhalten und den Ernährungsstatus untersucht.

Beginnend in 2009 füllten die Teilnehmer*innen zu Beginn und dann alle 6 Monate ein 24-Stunden-Verzehr-Protokoll aus, wobei 2 Wochentage und 1 Wochenendtag erfragt wurden. Die Nahrungszufuhr an den restlichen rund 180 (!) Tagen wurde anhand festgelegter Tabellen (3) kalkuliert. Die Wissenschaftler räumen daher auch ein, dass mögliche Fehlerquellen nicht ausgeschlossen werden können.

Kritik: Studiendesign ist fehleranfällig

Zu erwähnen ist zudem, dass die Aufnahme von Süßstoffen über alle Teilnehmer hinweg sehr gering war (niedrige Aufnahme: 7,46mg/d ; hohe Aufnahme: 77,62 mg/d). Experten stellen daher in Frage (4), ob durch solch geringe Mengen Süßstoff überhaupt gesundheitliche Auswirkungen festzustellen wären, oder ob andere Faktoren einen deutlich größeren Einfluss haben. So waren die Süßstoffverwender im Vergleich zu den Nichtverwendern, tendenziell jünger, hatten einen höheren Body-Mass-Index, rauchten häufiger, waren weniger körperlich aktiv, folgten häufiger einer Diät zur Gewichtsreduktion, hatten eine niedrigere Gesamtaufnahme an Ballaststoffen, Obst und Gemüse und eine höhere Aufnahme an Natrium, rotem und verarbeitetem Fleisch und Milchprodukten.

Zudem wird limitierend zu bedenken gegeben, dass die Studie nicht generalisierbar auf die gesamte französische Bevölkerung ist, da der Frauenanteil mit 78,3% sehr hoch ist.

Kausalität versus Korrelation: Das ist der Unterschied

Ein wichtiger Punkt: In der Natur von Beobachtungsstudien liegt es, dass sie keine Ursache-Wirkung-Beziehung nachweisen können. Die Studienautoren weisen auch selbst darauf hin, dass die Ergebnisse einer einzigen Beobachtungsstudie keinen kausalen Zusammenhang finden können.

Zudem lässt sich eine reverse Kausalität nicht ausschließen. Mit anderen Worten, Menschen, die übergewichtig sind oder an Bluthochdruck, Hypercholesterinämie oder Diabetes leiden, nutzen häufiger zuckerreduzierte bzw. zuckerfreie Getränke, um ihre Zucker – und Kalorienaufnahme zu reduzieren – und nicht umgekehrt.

Sicherheit weltweit bestätigt: Süßstoffe sind
unbedenklich

Ausschlaggebend aber ist, dass es keine Hinweise auf einen plausiblen Mechanismus gibt, der die möglichen Auswirkungen von kalorienarmen/kalorienfreien Süßungsmitteln auf die kardiometabolische Gesundheit unterstützt. Die Sicherheit aller zugelassenen Süßstoffe wurde von Lebensmittelsicherheitsgremien auf der ganzen Welt bestätigt, darunter der Gemeinsame Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) (5,6,7).

Fragen & Antworten

Anja RothÖFFENTLICHKEITSARBEIT DEUTSCHLAND

Süßstoff-Verband e.V.

Postfach 90 60 85,

51127 Köln

+49 (0) 2203 20 89 45

info@suessstoff-verband.de

Weiterführende Literatur

(1) McGlynn ND, Khan TA, Wang L, et al. Association of Low- and No-Calorie Sweetened Beverages as a Replacement for Sugar-Sweetened Beverages With Body Weight and Cardiometabolic Risk: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Network Open 2022; 5(3):e222092
(2) Debras C, Chazelas E, Sellem L, et al. Artificial sweeteners and risk of cardiovascular diseases: results from the prospective NutriNet-Santé cohort. BMJ 2022;378:e071204.
(3) Unité de recherche en épidémiologie nutritionnelle (Bobigny).Table de composition des aliments, Etude NutriNet-Santé. [Food composition table, NutriNet-Santé study] (in French). Paris: Les éditions INSERM/Economica; 2013.
(4) Magnuson B. Comments in response to the article by Debras et al “Artificial sweeteners and cancer risk: Results from the NutriNet-Santé population-based cohort study”. Available at:
(5) http://www.fao.org/food/food-safety-quality/scientific-advice/jecfa/en/
(6) http://www.efsa.europa.eu/en/topics/topic/sweeteners
(7) https://www.fda.gov/food/food-additives-petitions/high-intensity-sweeteners