ÖKO-TEST Bewertung von Süßstoffen widerspricht den Lebensmittelsicherheitsbehörden

ÖKO-TEST Kritik an Süßstoffen entspricht nicht dem aktuellen Forschungsstand

In der Februar-Ausgabe der Zeitschrift ÖKO-TEST wurden die Testergebnisse von ausgewählten Abnehmshakes sowie von Nahrungsergänzungsmitteln für Kinder veröffentlicht. In beiden Tests wurden Süßstoffe als „umstrittene Zusatzstoffe“ eingestuft und Produkte mit Süßstoffen abgewertet. Damit widerspricht ÖKO-TEST den Lebensmittelsicherheitsbehörden weltweit, die bestätigen, dass alle zugelassenen kalorienfreien Süßungsmittel innerhalb der festgelegten ADI-Grenzwerte sicher sind. Die von ÖKO-TEST geäußerte Kritik an Süßstoffen entspricht nicht der wissenschaftlichen Bewertung der gesundheitlichen Risiken und führt somit zu einer nicht nachvollziehbaren Verunsicherung von Verbraucherinnen und Verbraucher.

Süßstoffe erhöhen nicht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

So heißt es in der Bewertung beider Produktgruppen, dass Süßstoffe immer wieder in der Kritik stehen. Sie werden laut Ökotest mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Diese Behauptung widerspricht jedoch der aktuellen Datenlage, einschließlich der jüngsten Überprüfungen im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) (1). Diese sieht keine Hinweise darauf, dass Süßstoffe das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen oder erhöhen können.

Auch in der ausführlichen Stellungnahme der American Heart Association und der Diabetes Association aus dem Jahr 2018 (2) findet sich kein Hinweis auf eine „Gefahr“ von Süßstoffen für das Herz. Im Gegenteil, die Experten empfehlen sogar, zuckergesüßte Getränke durch süßstoffgesüßte zu ersetzen, um Kalorien einzusparen. Genau hierfür werden jedoch die getesteten Produkte mit Süßstoff von ÖKO-TEST abgestraft.

WHO-NUGAG-Leitlinie zu Süßstoffen: Keine Warnung, sondern eine schwache Empfehlung

In der Zusammenfassung der Testergebnisse der Abnehmshakes wird zudem behauptet, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer neuen Leitlinie davor warne, kalorienfreie Süßstoffe zur Gewichtskontrolle einzusetzen. Auch diese Aussage ist nicht korrekt. Die WHO-NUGAG, eine Untergruppe der WHO, hat im vergangenen Jahr eine – wie sie selbst sagt – „schwache“ Empfehlung ausgesprochen, Süßstoffe nicht zur Gewichtskontrolle zu verwenden. Sie betont dabei ausdrücklich, dass die Bewertung der Sicherheit von Süßungsmitteln nicht Gegenstand der Leitlinie sei und verweist auf die Lebensmittelsicherheitsbehörden weltweit. Es handelt sich hier also nicht um eine Warnung, sondern um eine Empfehlung auf der Basis schwacher Evidenz.

Dies unterstreicht auch ein Blick auf die ausgewählten Studien. So widerspricht die WHO-Untergruppe mit ihrer Leitlinie einer selbst in Auftrag gegebenen Studie (3), die die nützliche Rolle von kalorienfreien Süßungsmitteln bei der Verringerung der Zucker- und Energieaufnahme und damit bei der Gewichtsabnahme unterstützt. Auch zahlreiche qualitativ hochwertige Studien, die den Nutzen von kalorienfreien Süßungsmitteln beim Gewichtsmanagement bestätigen, werden nicht berücksichtigt. Stattdessen bezieht sich die WHO-NUGAG auf eine Übersichtsarbeit, die sich hauptsächlich auf Beobachtungsstudien stützt. Diese Studien können jedoch keinen kausalen Zusammenhang nachweisen. Vielmehr besteht die Gefahr einer umgekehrten Kausalität.

Süßstoffgesüßte Getränke können bei der Verringerung des Körpergewichts und kardiometabolischer Risikofaktoren unterstützen

Experten der Diabetes and Nutrition Study Group (DNSG) der European Association for the Study of Diabetes (EASD) stellten 2022 in einer systematischen Überprüfung und Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien (RCTs) fest, dass kalorienfrei gesüßte Getränke bei der Verringerung des Körpergewichts und kardiometabolischer Risikofaktoren hilfreich sind, wenn sie zuckergesüßte Getränke in der Ernährung ersetzen (4). Ihr Nutzen ist sogar mit dem von Wasser vergleichbar. Dazu haben die Ernährungs- und Diabetesexperten alle verfügbaren Studien zu den Auswirkungen von kalorienarmen oder kalorienfreien gesüßten Getränken auf das Gewicht und kardiometabolische Risikofaktoren gesichtet und analysiert.

Die Abwertung von Süßstoffen durch ÖKO-TEST widerspricht damit dem aktuellen Stand der Forschung und baut eine starke Meinung auf einer sehr schwachen Evidenz auf. Leidtragende sind die Verbraucherinnen und Verbraucher, die durch solche Testergebnisse verunsichert werden.

Quellen:
(1)
Lohner, S., Toews, I., & Meerpohl, J. J. (2017). Health outcomes of non-nutritive sweeteners: analysis of the research landscape. Nutr J 2017; 16(1): 55
Toews I, Lohner S, Küllenberg de Gaudry D, Sommer H, Meerpohl JJ. Association between intake of non-sugar sweeteners and health outcomes: systematic review and meta-analyses of randomised and non-randomised controlled trials and observational studies. BMJ 2019;364:k4718
(2)
Rachel K. Johnson, Alice H. Lichtenstein, Cheryl A.M. Anderson, Jo Ann Carson, Jean-Pierre Després, Frank B. Hu, Penny M. Kris-Etherton, Jennifer J. Otten,Amytis Towfighi, Judith Wylie-Rosett (2018). Low-Calorie Sweetened Beverages and Cardiometabolic Health: A Science Advisory From the American Heart Association. Circulation. 2018;138:e126–e140
(3)
World Health Organization, Rios-Leyvraz, Magali & Montez, Jason. (2022). Health effects of the use of non-sugar sweeteners: a systematic review and meta-analysis. World Health Organization. https://apps.who.int/iris/handle/10665/353064 License: CC BY-NC-SA 3.0 IGO
(4)
McGlynn ND, Khan TA, Wang L, et al. Association of Low- and No-Calorie Sweetened Beverages as a Replacement for Sugar-Sweetened Beverages With Body Weight and Cardiometabolic Risk: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Network Open 2022; 5(3):e222092

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