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Folge #24: NEOH – die Revolution im Süßwarenregal 

Zu Gast: Manuel Zeller, Gründer und CEO von NEOH

„Es muss doch was Besseres geben.“ – so beschreibt NEOH‑Gründer und CEO Manuel Zeller den Moment, in dem ihm klar wurde, dass klassische Süßigkeiten mit viel Zucker für ihn keine Option mehr sind.

In dieser Podcast‑Folge sprechen Moderatorin Alina Weigelt und Ernährungsexpertin Anja Roth mit Manuel Zeller darüber, wie aus dieser Einsicht und vielen Jahren Entwicklungsarbeit ein Unternehmen entstanden ist, das heute erfolgreich zuckerfreie Süßigkeiten vom Schokoriegel über Waffeln und Kekse bis hin zu Schokolade herstellt – mit einer eigenen Zuckerersatzformel auf Basis von Ballaststoffen und Süßungsmitteln.

Was waren die größten Herausforderungen bei der Entwicklung des ersten zuckerfreien Schokoriegels? Welche Rolle spielen wissenschaftliche Daten und Studien bei der Produktentwicklung? Und wie reagieren Handel sowie Verbraucherinnen und Verbraucher auf die zuckerfreien Produkte im Süßwarenregal? Diese und viele weitere Fragen werden in der aktuellen Podcast‑Folge beantwortet.

Transkription der Folge:

Folge #24: NEOH – die Revolution im Süßwarenregal

Alina Weigelt Herzlich willkommen zu einer neuen Folge “So! Was? Süßes.”, dem Podcast rund um das Thema süße Ernährung. Mein Name ist Alina und ich sitze im Studio mit Anja Roth, Ernährungswissenschaftlerin, Süßstoff-Expertin und Ansprechpartnerin beim Süßstoff-Verband. Hallo Anja. 

Anja Roth Hallo. 

Alina Weigelt 2025 ist ein besonderes Jahr. Der Süßstoff-Verband feiert 55 Jahre. 

Anja Roth Ja, genau. Wir sind jetzt also seit 1970 aktiv. In 1970 war es noch so, dass man überwiegend Süßstoffe nur in Tafelsüßen kannte, das heißt in Tablettenform, um Kaffee und Tee zu süßen. Und zwischenzeitlich, also 55 Jahre später, sieht das wirklich ganz anders aus.
Da gibt es viele innovative Produkte. Und deswegen freue ich mich auch, heute mit jemandem zu sprechen, der da, glaube ich, mit innovativen Produkten ganz weit vorne liegt mit seiner Firma – und wirklich die Süßigkeitenregale vom Zucker befreit und das sogar auch noch lecker hinbekommt.
Das ist Manuel Zeller, der Gründer und CEO von NEOH. Und NEOH steht also wirklich für sehr innovative Süßigkeiten. 

Alina Weigelt Hi Manuel, stell dich doch gerne mal selbst vor. Wer bist du und was machst du bei NEOH? 

Manuel Zeller Grüße. Ich freue mich, da zu sein. Es ist eine sehr lange Reise. Unser Unternehmen gibt’s noch nicht so lang. Trotzdem sind wir seit 15 Jahren am Forschen und Entwickeln rund um das Thema Zuckerersatz, vorwiegend im Foodbereich.

Und ich glaube, da ist auch der große Unterschied: Die Stoffe, so wie wir sie kennen – oder wie ich sie gekannt habe – sind in Getränken zuerst einmal sehr stark im Einsatz. Und das war ein bisschen der Antreiber: Für mich war Cola Zero immer eine super Alternative zu Cola. Warum gibt es keinen Snickers?
Und in den 15 Jahren darauf – also wirklich ab 2010 – hat die Reise begonnen. Da hat man herausgefunden, dass man in Lebensmitteln noch andere Aspekte beachten muss: Textur, Volumen, Stabilität und viele zusätzliche Eigenschaften. Deshalb haben wir hier wirklich sehr lange geforscht.
2021 hatten wir dann – obwohl wir schon am Markt waren – unseren großen Durchbruch in unserer Ersatzformel, mit der man wirklich eins zu eins den Zucker aus Lebensmitteln ersetzen kann.
Damals hieß das noch „Enso 16“, ein Kunstbegriff. Den haben wir dann auch wissenschaftlich bestätigen lassen von der MedUni Wien. Das wurde dann auch im Nature-Magazin publiziert. Ein ganz wichtiger Aspekt bei der Suche nach dem besten Ersatz war: Nicht nur den Zucker rauszubekommen, sondern auch die Effekte des Zuckers.

Damit muss der Blutzuckerspiegel stabil bleiben. Das wurde mit dieser Studie bestätigt. Nebenbei muss natürlich der Geschmack passen. Und genau diese zwei Paradigmen machen uns heute erfolgreich – ich würde schon sagen: zu einem der innovativsten Zuckerersatzstoffe, die es aktuell im Food-Bereich gibt. Natürlich sagt das jeder Gründer, da muss ich es natürlich auch sagen. Aber diese Reise hat uns schon sehr lange begleitet. Wir forschen sehr viel, wir machen viel wissenschaftliche Arbeit – eben auch mit der MedUni Wien – und ich freue mich jetzt auf dieses Gespräch. 

Alina Weigelt Du hast schon viele wichtige Sachen gesagt. Was du uns aber noch vorenthalten hast: Dein Weg zu NEOH ist ein bisschen ungewöhnlich. Du hast ja in der Wirtschaftsinformatik gestartet, wenn ich das richtig weiß. Wie kamst du denn dazu, NEOH zu gründen? 

Manuel Zeller Es waren verschiedene Aspekte. Zum einen bin ich Sportler, Fußballer, und da ist Ernährung ein wichtiger Part. Das Zweite ist: Ich habe auch an der Sportuni neben Informatik studiert. Auch da kommt man mit Ernährung immer wieder in Kontakt.

Es war dann wirklich die persönliche Frustration, dass meine Bedürfnisse nicht erfüllt wurden. Ich habe viele Schokoriegel pro Tag gegessen – das war nicht immer gesund – und meine Eltern haben Diabetes, meine Großeltern hatten Diabetes mit schlimmen Folgen. Da war klar: Es muss etwas Besseres geben.
Also fängt man an, sich damit zu beschäftigen. Und weil ich Informatiker bin, habe ich mit meinem Co-Gründer Patrick das Problem aus einer anderen Perspektive betrachtet. Wir haben versucht, mit vielen Daten Lösungen zu finden, und haben das Problem „anders angepackt“, wie man in Wien sagt. Ich glaube, das war auch einer der Erfolgsfaktoren, dass wir out oft he box dieses Problem gesehen haben, dass wir versucht haben, ganz andere Perspektiven reinzubringen, neue Forschungsmethoden und Analysen.

Wir haben damals schon mit Blutzuckermessgeräten am Oberarm, die ganz innovativ waren, gearbeitet und haben damit alle unsere Rohstoffe getestet, ob das so funktioniert, wie wir uns das vorstellen.

Ich glaube, es war ein Vorteil, nicht direkt aus der Branche zu kommen, sondern mit Informatik-Background ein fachfremdes Thema datenbasiert zu behandeln. Und heute ist das witzigerweise ein Trend in der Lebensmittelindustrie: datenbasierte Forschung. Von daher waren wir bei einigen Dingen sehr disruptiv – und ich glaube, deswegen haben wir auch einen guten Vorteil gegenüber anderen aktuell. 

Anja Roth Ja, du hast jetzt eben schon ein paar Mal gesagt, ihr habt so ein bestimmtes Süßungskonzept, aber vielleicht noch mal für die Zuhörerinnen und Zuhörer, die euch gar nicht kennen. Was unterscheidet denn wirklich eure Süßigkeiten von den marktüblichen Süßigkeiten, jetzt ganz konkret für den Verbraucher? Was erwartet ihn da?   

Manuel Zeller Also geschmacklich ist es bis jetzt immer ein Kompromiss. Also egal, ob es Erythrit, Maltit oder Ballaststoffe sind. Geschmacklich wirst du nichts ohne Zucker, vor allem im Lebensmittelbereich, finden, was nicht auf Flavoring, Bitternoten, Sauernoten basiert. Und das kommt oft noch mit einem Kompromiss. Das war unser größter Schmerzpunkt in der Forschung.   

Anja Roth Also der Geschmack letztendlich? 

Manuel Zeller Es muss richtig geil schmecken. Süßigkeiten, Süßvolumen, Textur, Schokolade – das muss alles passen. Wenn in dieser Matrix irgendwas nicht passt, dann wird es der Konsument nicht essen. Punkt. Ende.   

Und das war mit Abstand natürlich die größte Herausforderung parallel. Das ist genau dieses Paradigma: Geschmack, Textur, Volumen. Das Zweite ist: Wenn wir Zucker rausnehmen, wollen wir zumindest gewährleisten, dass es was Sinnvolles ist. Und deshalb haben wir sehr stark rund um das Thema Ballaststoffe geforscht, damit eben eine gute ein gutes Pendant zum Zucker ist und wirklich keine Auswirkungen oder minimale Auswirkungen auf den Blutzucker hat. Und genau dieses Paradigma wirst du heute so nicht finden. Es gibt keinen Kompromiss auf dieser Achse Geschmack versus Gesundheit. Und das wollten wir lösen und aus diesem Paradigma ausbrechen.   

Anja Roth Und wer ist denn jetzt genau eure Zielgruppe? Bei Süßigkeiten denken ja viele erst mal vielleicht an Kinder, aber du hast jetzt eben auch von Diabetikern oder deinen Eltern oder Großeltern gesprochen, die Diabetiker sind oder waren. Habt ihr da einen bestimmten Fokus oder sagt ihr: „Hier ist für eigentlich jeden geeignet“?  

Manuel Zeller Am Ende soll es für jeden sein. Also ich würde mal behaupten, 80–90 % der Menschen lieben Süßes, in welcher Form auch immer. Die einen vielleicht mehr Schokolade, die anderen mehr Gummibärchen. Das ist uns ein bisschen auch mit der Muttermilch mitgegeben. Die Muttermilch hat etwas leicht Süßes, Vanilliges, und das triggert natürlich. Aus der Herangehensweise auch wissend, was Zucker bei uns Menschen anrichtet, in der Endausbaustufe meiner Großeltern Diabetes, Übergewicht und all die Folgen, ist es wahrscheinlich wirklich gut, wenn wir alle deutlich weniger Zucker essen. Deshalb wird man in unserem Unternehmenstraum irgendwann vielleicht weniger Zucker mehr brauchen, weil es genügend Alternativen gibt. Deshalb ist auch die Zielgruppe eine maximale. Am Ende muss man natürlich schon sagen: „Wir sind aktuell preislich noch etwa dreimal so teuer wie Zucker.“ 

Aber wir arbeiten intensiv daran, dass es sich Schritt für Schritt annähert. Natürlich gibt es auch irgendwann vielleicht einmal eine Zuckersteuer, was das ein bisschen beschleunigt, wie oft bei neuen Produkten. Und da ist am Anfang natürlich eher die Zielgruppe sehr stark aus der Fitnesszielgruppe gekommen, Diabetiker natürlich, die ketogene Szene. Und natürlich, wenn man Gewicht reduzieren will. Wir wissen, dass ein signifikanter Anteil der Menschen auch übergewichtig ist, immer wieder probieren, Gewicht zu verlieren, aber auch Familien. 

Und ich habe über diese Einflugschneisen, können wir sehr gut die Bedürfnisse befriedigen und somit wird die Zielgruppe wirklich von Monat zu Monat breiter und breiter, mit dem großen Ziel – und das ist auch die Unternehmensvision – irgendwann einmal zu sagen und dann alle vor einem Schokoregal oder alle vor einem Naschregal zu stehen und zu sagen: „Hey, hier ist deutlich weniger Zucker drin. Und wir haben dabei eine Pionierrolle eingenommen.“  

Anja Roth Seid ihr nur in Österreich aktiv oder in Deutschland oder vielleicht auch in anderen Ländern?  

Manuel Zeller Wir sind aktuell sehr stark und sehr präsent in Österreich. Das ist unser Heimatmarkt. Hier haben wir gestartet, hier haben wir quasi am Produkt immer weiterentwickelt und wir haben gefühlt mehrfach hundertste Mutationen unserer Produkte, weil wir wirklich am Live-Produkt immer weiterentwickelt haben. Wir sind jetzt seit Kurzem auch in Deutschland und in Großbritannien. Unseren Rohstoff gibt es auch im B2B für verschiedenste Produkte. Auch außerhalb des Schoko- und Naschregals ist es jetzt ein bisschen so, wie vorher beschrieben, dass 2021/2022 der große Durchbruch stattgefunden hat. Da war der Preis noch zu teuer. 

Jetzt sind wir preislich mittlerweile so attraktiv, dass das eine sehr breite Zielgruppe anspricht. Und das heißt, wir sind eigentlich nach sehr langer Zeit, nach 15 Jahren, bisschen absurd, erst jetzt so richtig quasi in den Startlöchern, international hier ein breites Publikum anzusprechen. Und das passiert gerade so. Wir haben jeden Tag irgendwo neue Projekte, die sich auch international abwickeln. Von dem her warten wir jetzt natürlich, was da alles passiert. Standorte Österreich, Deutschland, Großbritannien und mit unserem Produkt NEOH B2B ist noch mal ein anderes.   

Anja Roth Warum seid ihr denn eigentlich Mitglied im Süßstoffverband geworden? Ihr seid jetzt, glaube ich, das zweite Jahr dabei?   

Manuel Zeller Ja, genau. Wir sind bemüht, sehr viel Wissenschaft in unsere Produkte reinzubekommen. Und ich sage jetzt mal, es gibt sehr viele Diskussionen rund um Süßstoffe, rund um Zuckerersatz und um den Zucker. Also gibt es sehr viel Desinformation, sehr viel Falschinterpretation. Und wir sind auch wirklich täglich irgendwie damit konfrontiert. Deshalb versuchen wir, die Studienlage so gut es irgendwie geht zu verstehen, bis ins Detail. Und da muss man wirklich in die Studien reingehen, in das Design der Studien, in die Interpretation, Kausalität, Korrelation. 

Und da ist man schon gefordert. Und ich glaube, da muss man alles in den Ring werfen, was man hat. Und wir bekommen ja auch immer wieder von euch Analysen von euch, neueste Studienlagen, und genau da macht es einfach Sinn, und wir wollen dann nicht einfach hingehen und irgendein Produkt auf den Markt bringen. Wir wollen ein Produkt, wo ich als Gründer, ich als Geschäftsführer, auch meine Hand ins Feuer dafür legen kann. Und genau da kommt ihr einfach ins Spiel. 

Anja Roth Würdest du auch sagen, dass das mit die Punkte sind, die euch von eurer Konkurrenz unterscheiden? Konkurrenz gibt es ja, oder? Doch, gibt es. Gibt es immer.  

Manuel Zeller Ich glaube, der größte Unterschied ist, dass wir unseren Zuckerersatz wirklich selbst entwickeln. Das ist ein bisschen konkurrenzlos. Aber ja, wenn du selbst den Rohstoff wissenschaftlich entwickelst und seit fast zehn Jahren mit diesen Blutzuckersensoren am Oberarm arbeitest.  

Das waren schon die Vorreiter. Natürlich auch um die Situation mit meinen Eltern und meinen Großeltern wissend. Das Problem will ich nachhaltig lösen, nicht nur kurzfristig. Und dazu ist Wissenschaft unumgänglich, ist Forschung unumgänglich. Und wir alle erinnern uns an die Diabetikerschokolade, die meine Oma noch gegessen hat, im besten Wissen und Gewissen. Und dann ist aufgekommen: „Hoppla, Fruktose in den Mengen ist vielleicht doch nicht so toll.“ 

Also, da muss man schon sehr aufpassen. Und ich glaub, diese Vorsicht ist eine Verpflichtung in dem, was wir machen. Wir wissen, Zucker ist katastrophal für unsere Gesundheit in den Mengen, aber wir müssen auch sicherstellen, dass, wenn wir was Alternatives anbieten, wir da dahinterstehen können. Und von dem her ist es absolut essenziell. Und ich glaube, da sind wir definitiv auch Vorreiter. Welches Unternehmen in unserer Größe hat Studien selbst durchgeführt? Wir haben alle Daten bei uns permanent am Tisch, egal was wir essen. Wir haben 20 Mitarbeiter, jeder trägt diesen Sensor. Wir haben Datensammlungen über alle Lebensmittel. Also ich glaube, da gibt es wirklich kaum jemanden, der da so viel Forschung betreibt wie wir.  

Anja Roth Ja, das glaube ich auch nicht, ehrlich gesagt. Du hast jetzt schon mehrfach die Zusammenarbeit mit der Uni Wien angesprochen. 

Das heißt, eure Produkte zielen jetzt nicht nur darauf ab, keinen Zucker zu haben, sondern es geht ja wirklich um die Blutzuckerwirkung. Das ist ja, glaube ich, das, was bei euch wirklich ganz oben ansteht. Und das ist ja auch ein Thema, das im Moment sehr in aller Munde eigentlich ist. Du hast eben schon gesagt, die Glukosetracker, die habt ihr schon vor ewigen Zeiten benutzt. Wie habt ihr das gemacht? Was war das für eine Studie? Vielleicht kannst du da noch mal was zu sagen. Ich glaube, das würde viele interessieren. 

Manuel Zeller Es war also so, dass man sehr oft auch gar nicht glaubte, wenn so ein junges Unternehmen etwas behauptete. Die sind oft mit dem Fragezeichen konfrontiert worden: „Ja, aber ist es jetzt wirklich besser?“ Und man hört ja oft fälschlicherweise, dass Süßstoffe auch das Insulin triggern. Was in hohen Mengen vielleicht minimal stimmt, aber in den Mengen, in denen wir das konsumieren, nicht. Jetzt verwenden wir sehr viele Ballaststoffe und deshalb war eben die Frage dann: „Hey, ist es überhaupt besser?“ Wir wussten ja, dass wir aus unseren Studien kaum Auswirkungen auf den Blutzucker haben.

Deshalb sind wir damals auch zur MedUni Wien gegangen und haben dort mit dem Professor auch darüber gesprochen, ob sie bereit wären, natürlich nach ethischen Grundsätzen – die MedUni Wien hat sehr, sehr hohe Standards – eine Studie durchzuführen. Und auch wenn der Professor uns eindringlich gewarnt hat, nämlich: Sie werden das ethisch korrekt durchführen und da kann natürlich auch was rauskommen, was uns nicht passt. Und es wird genauso veröffentlicht und mit den ganzen Risiken wirst du natürlich konfrontiert, aber wir hatten hier bei uns schon eine sehr gute Datenlage und deshalb war es uns einfach wichtig, zu zeigen, dass sowohl der Blutzucker als auch das Insulin als auch das C-Peptid nur minimalen Ausschlag haben. Es wurde gegen Zucker, aufgelöst im Wasser, getestet, und die Resultate der Studie und das Design kann man auf Nature.com nachvollziehen. Dort wurde es dann wirklich publiziert. Was uns auch freut, wenn Nature.com kommt, und schon eine sehr gute Reputation aufbaut. Die würden es nicht veröffentlichen, wenn es nicht auch ethisch korrekt und nach allen Grundsätzen ein interessantes Ergebnis wäre.

Und das freut uns natürlich. Man sieht, dass es funktioniert. Man sieht, dass es wirkt, und ist dann auch schon vorbereitet auf den Insulinspiegel. Nein, es hat kaum Auswirkungen auf den Blutzucker. Es hat aber auch kaum Auswirkungen auf den Insulinspiegel und dann ist immer so einige Kritik oder auch sehr viel Kritik schon einmal einfach weg. 

Alina Weigelt Du hast am Anfang mal gesagt, dass du jede Variante von „Das geht so nicht“ oder „Das können wir so nicht machen“ zu hören bekommen hast. Wie waren denn so die größten Herausforderungen bei der Entwicklung?   

Manuel Zeller Wir haben uns sicher hunderte Male gehört. „Das geht nicht“ oder „So geht es nicht“. Als junger Unternehmer muss man das schon richtig einordnen. Also Kritik ist auch willkommen und man darf sich aber dann auch nicht irritieren lassen. 

Also wenn du etwas machen würdest, was es schon gibt, dann ist es nichts Neues. Also bringt es nichts. Deshalb war es schon klar, dass man sehr oft ganz neue Wege beschreiten oder Pionierarbeit leisten muss, um irgendwo einen Durchbruch zu erzielen. Und von dem her war es ein Ansporn. Aber natürlich. Die größte Herausforderung war wahrscheinlich wirklich das Feedback, auch rund um die Ballaststoffe. 

Wir wollten sehr viel des Zuckers mit Ballaststoffen ersetzen. Ballaststoffe sind unterrepräsentiert. Auch wenn sie tolle Eigenschaften haben, war es aber so, dass sie immer geschmacklich extrem schwierig sind, oft mit bitteren, sauren Noten. Oft kann man gar nicht definieren, was das jetzt genau ist. Auf jeden Fall, es schmeckt nicht, das ist uns klar. Deshalb versucht man ja auch in der Industrie eher, die Ballaststoffe wegzulassen, wenn die auch geschmacklich etwas schwierig sind.  

Und da haben wir uns, und da bin ich selbst auch stolz, und da bin ich wirklich ein bisschen mit dem Kopf durch die Wand gegangen, gegen alle Widrigkeiten, dass man in diese Richtung vorpreschen kann, und ist uns aber dann gelungen und zeigt nur: Man muss einfach seinen Weg gehen. Und das haben wir auch gelernt: Wenn es leicht geht, wird es wahrscheinlich schon wer probiert haben. Es braucht neue Wege, es braucht disruptive Wege, und die tun immer weh. Und da hast du immer Neider und Leute, die dir das nicht zutrauen. Von dem her ist es fast Daily Business und gehört einfach dazu. 

Alina Weigelt Es hört sich nach viel Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit an, bis dann das fertige Produkt auf den Markt kam.   

Manuel Zeller 15 Jahre.  

Alina Weigelt Das ist wirklich lange. Wie kommt ihr denn auf die Produktideen?  

Also, wir haben jetzt hier bei uns die Waffelminis. Die haben wir auch vor der Folge schon alle getestet. Schmeckt uns sehr gut.   

Wie kommt ihr da drauf? Geht ihr auf Marktlücken? Kundenfeedback?    

Manuel Zeller Am Ende ist der Kunde König. Der sagt, was funktioniert und was nicht funktioniert. Und deshalb versuchen wir, uns auch an den Kunden zu orientieren. Natürlich gibt es schon vieles, was einfach gut funktioniert, wo jeder weiß: „Waffeln, das mögen die Menschen.“ Das ist dieser leichte, luftige Crunch, der da mit einer Waffel mitkommt. Haselnusscreme, Haselnüsse, Schokolade. Wir orientieren uns an dem, was der Konsument schon gelernt hat.   

Wir hatten natürlich genug Herausforderung, den Zucker neu zu erfinden. Und deshalb orientieren wir uns, wenn es um Geschmack rund um Süßigkeiten geht, an dem, was schon funktioniert. Und das war genug Arbeit, den Zucker eben neu zu erfinden.   

Alina Weigelt Und wie läuft der Entwicklungsprozess dann ab? Von der Idee bis zum Produktlaunch? Stimmt ihr euch ab mit der mit der Rezeptur? Ihr habt verschiedene Tests, hast du gesagt, ihr testet am Originalprodukt. Wie kann man sich das vorstellen?   

Manuel Zeller Rund 50 % der Süßwaren bestehen aus Zucker. Das vergisst man oft, dass das eigentlich die Hälfte des Produktes ist. Da haben wir schon eine große Vorarbeit geleistet, indem wir diese 50 % eigentlich eins zu eins ersetzen können mit unserem Produkt. Und dann, auch das vergisst man oft, liegen noch sehr viele Herausforderungen vor uns. Selbst wenn man sich mal eine Haselnusscreme mit Zucker macht, gibt es ja keine Kopie von der Branchengröße der Haselnusscreme. Dann muss man in dieser Richtung auch noch arbeiten.

Und da versuchen wir natürlich auch, sensorisches Feingefühl reinzubringen und ein sehr sensibles sensorisches Panel hier im Unternehmen entwickelt zu haben. Und dann geben wir natürlich auch noch die anderen Komponenten an die Produzenten, an die Rohstofflieferanten. Aber auch, glaube ich, das unterscheidet uns. Oft geht man einfach zum Produzenten, sagt: „Ich möchte einfach das und das Produkt haben“, und die liefern einem das dann. 

Wir entwickeln alles zu 100 % bei uns inhouse. Diese letzte Sensorik, dieses bis ins letzte Detail verliebte Handeln, da merkt man, da ist noch mal richtig Magie drinnen, und das wollen wir uns auch nicht nehmen lassen. Von dem her ist es uns wichtig, alles selbst inhouse zu entwickeln. 

Alina Weigelt Und wie testet ihr denn, ob ein Produkt funktioniert, ob das gut ankommt?    

Manuel Zeller Deswegen dieses Sensorik-Panel. Das sind bei uns zwölf Personen, die alle eingeordnet sind: „Der mag eher Süßes“, „der mag eher weniger Süßes“. Da wissen wir ganz genau. Die einen reagieren sensibler auf Bitternoten, die anderen reagieren sensibler auf Sauernoten. Die anderen sensibler auf den Süßgrad, auf Proteinreste und so. Dann haben wir unser Sensorik-Panel, das lassen wir dann durchlaufen und das gibt uns dann schon ein Feedback. 

Und dann natürlich am Ende entscheiden dann weniger Personen. Da muss ein kleineres Panel von drei Leuten, würde ich sagen, dann die endgültige Entscheidung treffen und dem den finalen Schliff noch geben. Und am Ende muss man dann einfach selbst auch das Gefühl entwickeln und diese drei Personen wissen dann schon, wie die zwölf Stimmen einzuordnen sind, und am Ende sind es dann immer die drei.   

Anja Roth Du hast jetzt schon öfter von eurem Zuckerersatz gesprochen, dem ZERO+. Magst du ein bisschen von dem Geheimnis lüften, wie das zusammengesetzt ist?   

Manuel Zeller Die Details sind natürlich ein ganz strenges Betriebsgeheimnis.   

Anja Roth Keine Sorgen. Du musst jetzt nicht die ganze Rezeptur preisgeben.  

Manuel Zeller Nein, also wir ersetzen 90 % des Zuckers in Schokolade mit Ballaststoffen.  

Das sind ganz viele unterschiedliche, ganz viele verschiedene unterschiedliche Rohstoffe, unterschiedliche Fermentations-Extraktionsmethoden, die dahinterliegen. Die sind auch notwendig, um genau dann diese Balance hinzubekommen, um die gesundheitliche Balance auch hinzubekommen, weil verschiedene Komplexitäten von Ballaststoffen auch gut für das Darm-Mikrobiom sind. Wir ersetzen einen kleinen Teil, circa 9,5 %, mit Erythrit. Das hat jetzt eigentlich keine spezielle Funktion mehr. 

Es ist ein Rohstoff, der in den kleinen Mengen absolut unbedenklich ist und noch ein gutes textuelles Ergebnis reinbringt. Am Erythrit kommt ja auch in der Natur vor, in Erdbeeren, in Pflaumen, Pistazien. Und dann die letzten 0,5 %: die sehr speziellen Covering-Aromen, auch größtenteils natürliche Aromen, die dann noch die letzten Feinschliffe korrigieren, die vielleicht noch zu korrigieren wären. Und wir verwenden auch Sucralose und auch Acesulfam K, auch Süßstoffe, um dann noch den letzten Süßungs-Boost hinzubekommen. Und so ist das für uns eine runde Formel, vorwiegend auf Ballaststoffbasis, was eben uns Menschen fehlt, und in den Mengen, in denen wir den auch jetzt unsere Süßstoffe ersetzen, absolut unbedenklich. Und das sollte jetzt und das ist auch das große Ziel, eine nicht nur nicht schlechte Alternative sein, sondern sogar eine gesundheitsfördernde Alternative.  

Ballaststoffe, wissen wir, sind unterrepräsentiert. Ballaststoffe sind deshalb so wichtig, weil sie zum einen den Blutzucker regulieren. Ballaststoffe sind deshalb auch so wichtig, weil unser Mikrobiom diese Probiotika als Nährstoff braucht. Und zur Darmgesundheit wissen wir, wie viele tolle Effekte das hat. Es gibt sogar Studien, dass zehn Gramm Ballaststoffe pro Tag die Lebenserwartung um bis zu 10 % erhöhen können. So weit werde ich noch nicht gehen für unser Produkt, aber man weiß: Ballaststoffe sind gut. Deshalb dreht sich bei uns unglaublich viel um Ballaststoffe. 

Anja Roth Und du hast es, glaube ich, eben schon mal erwähnt. Aber kann man den ZERO+ auch so kaufen, also einzeln als Produkt? Dass ich das als Verbraucher zu Hause in der Küche benutzen kann?    

Manuel Zeller Ist nicht unser Ziel. Also wir wollen jetzt auch die Industrie ausstatten mit ZERO+. Es gibt jetzt schon 25 Produkte und es gibt fast monatlich mehr Unternehmen, die jetzt ZERO+ als Zuckeralternative wählen. Es ist noch ganz frisch, aber es gibt auch ein Päckchen, zumindest in Österreich in den Billa-Filialen. Das ist aber nicht das Ziel. Dass man das jetzt so klassisch als Päckchen verkauft, ist auch wieder Markenaufbauarbeit, die mühsam und teuer ist. Distributionsarbeit, die mühsam und teuer ist.  Da haben wir mit NEOH selbst genug zu tun. Da ist bisher das Ziel, den Rohstoff per se im klassischen Zehn-Kilo-Sack auch zu vertreiben und eben die Industrie damit auszustatten.  

Das kommt auch ganz gut mit unserer Unternehmensvision einher. NEOH ist unser Leuchtturm. Dort haben wir die ganze Forschungsarbeit rundherum betrieben. Aber es gibt jetzt – ich nehme jetzt Ketchup, Joghurt, was auch immer –, da ist zu auch viel Zucker drin. Das werden wir nie selbst so gut hinbekommen wie die Ketchup-Profis, wie die Joghurt-Profis. Und von daher lassen wir natürlich die Industrie mit ihrer Marke, mit ihrem Know-how und um das Produkt selbst auch arbeiten. Wir setzen dann nur den Zucker ab. Das ist auch der schnellere Weg, den Zucker so schnell es geht irgendwie aus unserem Alltag zu bekommen.   

Anja Roth Gibt es denn auch viele Fragen eigentlich aus dem Kundenkreis, zu bestimmten Vorteilen oder Nachteilen oder Kritik oder auch Lob? Gibt es da irgendwas, was ihr täglich hört?  

Manuel Zeller Lob kommt selten echt.   

Anja Roth Ach komm, dann kriegst du es jetzt von mir.   

Manuel Zeller Nein, das Lob ist die Abverkaufszahl. Also unser neuestes Produkt, der Crisp-n-Cream-Riegel, der verkauft sich absolut. Also wir sind unter den Top 3 im Süßwarenregal und jeder, der weiß, welche Fluktuation oder welche Rotation im Süßwarenregal herrscht: Das ist die Champions League im Supermarkt. Da kann man das einordnen und das erreichst du nicht, wenn du nicht absolut geschmacklich am Punkt bist. 

Wenn die Konsumenten gerne dann zum Zero-Produkt greifen. Also ich glaube, das ist das beste Lob, was man haben kann. Aber Feedback ist natürlich wichtig. Wir hören immer ganz tief in die Social-Kanäle rein, was Fragen sind, was da Bedenken sind. Und natürlich macht einen das auch stolz, wenn 99 % der Fragen sehr gut zu beantworten, nämlich mit: „Mit was ersetzt ihr Zucker?“ Hauptsächlich mit Ballaststoffen.  

Dann, wenn jemand kommt: „Ihr verwendet auch Sucralose, das ist ja schlecht.“ Also, das ist ja der Klassiker, oder das ist ja noch schlimmer als Zucker. Kann man sofort antworten: Erstens mal ist Zucker uneingeschränkt definitiv schlechter. Wir verwenden die Menge und in dieser Menge ist es zu 100 % Bullet Proof und überhaupt kein Thema. 

Und ich glaube, das ist auch, was den Leuten schwerfällt, diese Mengen einzuschätzen. Und deshalb freuen wir uns, wenn wir hier einfach auch Aufklärungsarbeit mit leisten können, und es 0,0 g Sucralose pro Produkt sind. Es gibt keine Studie auf der Welt, die nur ansatzweise nahelegt, dass das in diesen Mengen ein Problem darstellt. Deshalb gibt es die Wissenschaft, deshalb gibt es die Forschung und das kann man eigentlich zu 99 % aufklären.  

Was man nie wegbekommt, ist: Da ist irgendwo ein kleiner Teil Chemie drinnen. Auch wenn ich das persönlich etwas einfältig finde, ist es halt so. Das muss man dann auch akzeptieren. Das ist 1 %, was immer übrigbleibt. Ja, aber es ist nichts Chemisches, obwohl jeder Apfel auch aus Chemie besteht. Aber die Diskussion muss man dann irgendwann beenden und sagen: „Okay, ich kann dich nicht überzeugen, aber danke für dein Feedback.“   

Alina Weigelt Das stimmt ja. Beim Crisp N Cream kann ich auch gleich noch ein Lob nachschütten. Den habe ich auch schon probiert. Fand ich auch wirklich sehr gut. Den kann man definitiv empfehlen. Dann haben wir hier direkt noch ein bisschen Lob. 

Wie erreicht ihr denn sonst eure Zielgruppe? Du hast eben schon Social Media erwähnt. Habt ihr Influencer, die ihr dafür nutzt? Wie läuft das bei euch?  

Manuel Zeller Also ein Produkt ist ganz wichtig. Wichtige Punkte. Also, man geht in ein Naschregal, schaut sich dort einmal um: Was springt mich am meisten an? Das ist das Produkt selbst, immer bei uns absolut im Mittelpunkt.  

Social Media ist natürlich ganz wichtig. Aufklärungsarbeit über Social Media. Wir starten auch jetzt selbst mit einem Podcast, in dem wir ganz viele Ernährungsmythen noch einmal durchleuchten, aus verschiedensten Perspektiven. Influencer natürlich. Wir sind auch stolz. Wir haben sehr prominente Investoren, also sind auch unsere Investoren gleichzeitig Influencer. Wir haben Dominic Thiem, der war mal US-Open-Sieger, Top 3-Tennisspieler der Welt, und Jonathan Tah, der deutscher Nationalspieler ist. Weil sie eben, und das ist das Tolle an Sportlern, natürlich versuchen, sich gut zu ernähren. Die versuchen, sich gesund zu ernähren, die versuchen, das Richtige zu tun, um ihre Performance zu verbessern. 

Und die verstehen das Konzept auch viel schneller. Und natürlich, wenn ein Sportler sagt oder wenn ein deutscher Nationalspieler sagt, er isst gerne die NEOH-Waffel oder den Hazelnut Crunch, dann weiß man: Hey, der wird schon das Richtige machen. Aber natürlich schätzt man auch Konsumenten, die sich in der Tiefe beschäftigen. Das sind auch danach die Multiplikatoren.  

Alina Weigelt Ja, und wie erreicht sie dann über den Handel? Also Supermärkte, Drogeriemärkte, die dann eure Produkte in das Sortiment mit aufnehmen? 

Manuel Zeller Da gibt es jetzt von mir lobende Worte über den Handel. Das muss man wirklich sagen. Der kriegt sehr viel Kritik von allen Seiten ab wegen anderer Themen. Aber der Handel ist natürlich der Versorger der Nation, also ein signifikanter Anteil unserer Kalorienzufuhr passiert irgendwo über den Handel, und die haben sich schon sehr lange auf die Fahnen geschrieben, Zucker deutlich zu reduzieren, weil sie wissen, dass das halt nicht gut ist, und deshalb rennt man zuerst einmal sehr offene Türen ein. 

Natürlich wollen die jetzt auch nichts in ihr Sortiment aufnehmen, von dem sie wissen, dass der Konsument noch nicht bereit dafür ist. Also sind sie Teil dieser Transformation, jetzt gemeinsam daran zu arbeiten. Und da ist der Handel eigentlich ein sehr guter Ansprechpartner, weil Sie wissen, Sie wollen ja selbst auch was dafür tun. Sie wissen, Sie bekommen Ziele, Sie wissen, auch es kommt Druck von der Politik in diese Richtung. 

Sie wissen, es kommt immer mehr Druck auch von den Konsumenten, auch wenn der Konsument nach wie vor natürlich irrsinnig gern Süßwaren konsumiert. Aber man hat immer sehr schnell ein offenes Ohr und sehr schnell dann auch einmal einen Platz im Regal. Dort muss man dann natürlich funktionieren. Dort will natürlich auch der Handel den Platz nicht mit etwas versperren, was vielleicht deutlich mehr von Konsumenten akzeptiert ist. Das ist dann unser Part in diesem Spiel, dort dann die Performance zu bringen, dort natürlich auch zu verkaufen. Aber grundlegend muss ich sagen, ist das echt eine aktuell sehr positive Atmosphäre, auch mit dem Handel, weil die genau in dieselbe Kerbe schlagen wollen.   

Anja Roth Ihr habt ja jetzt mit euren Produkten schon viele Trends im Prinzip aufgegriffen und vielleicht sogar Trends gesetzt. Also: zuckerfrei, kein Blutzuckeranstieg, keine Insulinausschüttung, ballaststoffreich. Glaubst du, dass das jetzt nur so ein Trend ist, oder glaubst du, dass es bleibt? Oder habt ihr vielleicht sogar schon neuere Dinge im Fokus, die da kommen könnten?   

Manuel Zeller Es ist fast überlebenswichtig, zu antizipieren: Was bringt die Zukunft? Als wir 2010 gestartet haben, waren Ballaststoffe wenig Thema. Zucker war natürlich Thema, aber nicht so groß wie heute. Und genauso ist es jetzt und wir versuchen, zu antizipieren: Was könnte denn da kommen? Und viele Ernährungstrends, aber auch so Dinge wie die Blutzuckersensoren, wenn das irgendwann mal auf einer Apple-Watch dargestellt wird, was in deinem Blutzucker ist oder wie der Blutzucker oft spikt, obwohl man gar nicht weiß: „Ich habe ja nur …“ Die erste Frage von meinen Eltern war: „Ich habe nur eine Semmel, ein Brötchen, zum Frühstück gegessen.“ Da ist ja gar kein Zucker drin. Warum habe ich so eine massive Auswirkung auf den Blutzucker? Dann wird einem klar: Umso mehr das jetzt auch getrackt wird, umso mehr Transparenz in dieses Thema reinkommt, umso mehr, werden sich die Leute damit beschäftigen.  

Und die Antwort wird dann, und das sind unsere zwei Thesen, sehr oft sein: „Ja, iss doch mehr Ballaststoffe.“ Ballaststoffe sind die natürliche Antwort der Natur auf diesen Blutzuckerspike.  

Warum ist ein Apfel besser als ein Apfelsaft? Weil diese ganzen Fasern, die man ja beim Apfelsaft dann wegschmeißt, das ist der Abfall vom Apfelsaft. Dort sind die ganzen guten Mikronährstoffe, die Mineralstoffe, die Vitamine, die Ballaststoffe. Das ist dort drinnen. Aber alles, was wir konsumieren, ist befreit von diesen Ballaststoffen. Und deshalb glaube ich, oder ist unsere ganz starke These, dieses Tracking wird uns damit beschäftigen lassen. 

Wir werden sehen, dass, wenn man ein bisschen Gemüse vorm Schnitzel isst, das eine Wohltat für den Blutzucker ist. Das wird man dann auf der Uhr erkennen. Man wird sehen: Wenn ich einen NEOH esse, werde ich keine Auswirkung auf den Blutzucker haben. Und deshalb versuchen wir natürlich, den Zukunftstrend zu antizipieren und bestmöglich zu bedienen. Aber das ist fast lebensversichernd für ein Unternehmen. Also ich könnte jetzt auch nicht ruhig schlafen, wenn ich wüsste, da kommt ein ganz neuer Trend um die Ecke, der gegen das arbeitet, was wir hier entwickeln.  

Anja Roth Ja, also die Vision wäre dann wirklich, dass mal in den Regalen nur noch so zuckerfreie Süßigkeiten liegen, mit Ballaststoffen angereichert, und wir schlemmen gesund und ohne Reue. Ich greife da nur einen kleinen Slogan auf.  

 Manuel Zeller Alles gut. Ich glaube, das Schwierige bei Ernährung ist genau das. Zucker, geringe Mengen, so wie man es natürlich essen würde, in einem Apfel oder auch in Gemüse, da ist ein bisschen Zucker drinnen, würden wir nie Zucker kritisieren, wenn wir es nur in dieser Form zu uns nehmen würden.   

Das sind halt dann von mir aus zehn Gramm Zucker pro Tag. Kein Problem. Meistens mit Ballaststoffen. Wir hätten keine Zuckerdiskussion. Aber da in den Mengen konsumiert wird, die wir vorfinden, 70/80/90 g je nach Nation, was natürlich ein Vielfaches von dem ist, was wir sollen, ist es ein Problem mit dem wir uns einfach beschäftigen. Und die große Unternehmensvision, und da habe ich einen Traum, nämlich 2040, und das steht schon im ersten Geschäftsplan von 2010 drinnen: Möchte ich vor ein Regal treten und zu meinem Sohn, der hat dann den 18. Geburtstag, sagen: „Schau, der Papa hat hier einen maßgeblichen Anteil daran geleistet, dass hier massiv weniger Zucker vorzufinden ist.“ Und ich sage nicht, dass wir da allein sind. Sag nicht, dass wir da nicht Alternativen oder andere Konkurrenten auch noch finden. Aber es wird weniger, deutlich weniger Zucker dort vorzufinden sein.  Und wir möchten hier einfach in dieser Pionierrolle sein, diese Vorreiterrolle, diese Pace zu bestimmen, was da passiert.  

Anja Roth Wenn du jetzt wirklich mal Wünsche frei hättest an die Politik. Also, du hast jetzt wirklich mal die Möglichkeit, hier deine Wünsche zu äußern. Also ich weiß jetzt auch nicht, ob wir sie dir erfüllen können, aber du darfst mal Wunschkonzert spielen. Was würdest du dann sagen? Was muss politisch passieren oder was sind so deine Wünsche an die Politik, damit es auch wirklich deine Vision halt in Erfüllung gehen kann?     

Manuel Zeller Ich spreche jetzt vielleicht den ersten Punkt an, der gar nichts mit uns zu tun hat: Aber Zucker in Getränken. Ich muss es so hart sagen. Das sind Verbrechen. Das merkt man bei Kindern. 

Da gibt es Kindergetränke, bei denen in kleinen Fläschchen schon mal 10–11 Gramm Zucker drin sind. Zucker in Getränken geht quasi direkt in unser System. Wir sehen das an unserem Tracker, obwohl ich eigentlich ja nur Durst habe und eigentlich nur Wasser trinken will. Trotzdem trigger ich damit wieder meinen Heißhunger, ich löse einen Blutzuckerspike aus. 30 Minuten später bin ich unterzuckert.  

Obwohl ich nur meinen Durst gestillt haben wollte, habe ich auf einmal in 30 Minuten Müdigkeit, Heißhunger-Attacken und Signale von „Hier bitte essen, weil ich in dem Unterzucker bin“. Also Kinder schon damit zu konfrontieren, mit Zucker in Getränken, das ist ein No-Go und da muss definitiv irgendwo ein Handeln folgen. Und ich sage es deshalb so, weil es nicht unser Produkt betrifft. 

Aber das betrifft meinen Sohn und der kriegt gar nichts zu trinken, was mit Zucker ist. Genau aus diesem Grund. Da würden wir schon sehr viel und einen Riesenschritt machen. Also, wie auch immer das stattfindet, ob es mit Steuern ist oder was auch immer, da muss was passieren.  

Das Zweite ist natürlich so: Dinge wie ein Nutri-Score, das ist gut gedacht. Wer kennt sich schon aus mit Ernährung? Aber Nutri-Score wäre theoretisch die Chance, hier ein bisschen Aufklärung zu geben. Aber so wie der Nutri-Score designt ist, funktioniert er gar nicht. Eine Pizza mit Spinat hat Nutri-Score B. Und das ist, was der Konsument wahrnimmt. Der nimmt ja nicht wahr, dass das jetzt pro Kategorie ist. Und da gibt es einfach gute Ansätze, die aber noch nicht fertig gedacht sind. Und das ist der zweite Appell. Solche Wege müssen aber bitte komplett neu gedacht werden. Dann muss man auch Experten von anderen Seiten wieder einladen, nicht nur Experten von der einen Seite. Gute Idee, katastrophale Umsetzung. Eine gute Möglichkeit, hier Aufklärung zu betreiben.  

Und Punkt drei: natürlich, wenn jetzt eins und zwei nicht so funktionieren, wie man sich das denkt. Dann muss man über Maßnahmen nachdenken wie Zuckersteuern, wie andere Ideen, wie Advertising-Bands, wie sie auch kurz mal diskutiert waren, Werbung für Kinder, für Produkte, die ausschließlich aus Zucker bestehen. 

Und Punkt vier: Warum nicht auch andere Ideen einbringen? Wir wissen und die Idee vom prozessierten Lebensmittel verstehe ich auch im Ansatz, ist wieder falsch gedacht, weil: Warum ist die Natur, warum hat die Natur immer recht? In der Natur wirst du nichts finden, was nicht eine ausgewogene Balance zwischen Ballaststoffen und Zucker hat. Das ist die Antwort. Es geht nicht nur um Zucker, es geht um eine Balance. Und warum nicht Ideen etablieren: Wenn fünf Gramm Zucker und zwei Gramm Ballaststoffe drin sind, dann ist es okay. Dann ist es befreit von Zucker. Oder dann ist der Nutri-Score besser. Also auch ganz neue Ansätze zu denken. 

Und wenn wer schon diesen Processed- oder Ultra-Processed-Food-Weg gehen will, dann darf ich jetzt nicht die Industrie zwingen, irgendwie auf Biegen und Brechen irgendwie unprozessiertes Food, was genauso schlecht dann am Ende ist, zu ändern, sondern ich muss mir ansehen, was hat die Natur für uns vorgesehen? Die Natur hat, egal was es ist, ob es Nüsse sind, ob es Himbeeren sind, ob es Obst, Früchte, Gemüse ist, alles, was von der Natur kommt, hat immer eine Balance zwischen Ballaststoffen und starken Kohlenhydraten. Das wären nochmal neue Ansätze, die man diskutieren sollte.  

Und ich glaube, die Politik ist hier definitiv gefordert.   

Alina Weigelt Kommen wir jetzt zu unserem Faktencheck: Süß und knackig.   

Fakt 1: Zuckerfreie Süßigkeiten müssen und können richtig gut schmecken. Dabei geht es nicht nur um die Süße, auch Textur und Volumen müssen passen. 

Fakt 2: Die Zuckerersatzformel von NEOH lässt den Blutzuckerspiegel deutlich weniger steigen als Zucker und liefert Ballaststoffe statt leerer Kalorien.  

Fakt 3: Der Handel ist ein wichtiger Hebel für Produktinnovation. Der Erfolg der NEOH-Produkte zeigt aber auch: Verbraucherinnen und Verbraucher sind bereit für zuckerfreie Lebensmittel.  

Und Fakt 4: Die NEOH-Produkte zeigen, es geht nicht darum, ob Lebensmittel verarbeitet oder unverarbeitet sind. Die Balance der Inhaltsstoffe ist für die Gesundheit entscheidend.   

Dann noch mal vielen Dank, Manuel, für deine ganzen Insights und für deine Zeit. Und auch Anja, das war wieder ein sehr interessanter Podcast. Also eine sehr interessante Folge. Vielen Dank euch beiden.   

Anja Roth Ja, vielen Dank auch noch von meiner Seite. Erstmal an Alina für die Moderation, aber auch natürlich an Manuel, dass er sich die Zeit genommen hat, uns so einen tiefen Einblick zu geben. Und wir bedanken uns natürlich auch bei allen, die uns zugehört haben, und freuen uns auf euer Feedback. 

Alina Weigelt Wir hören uns spätestens bei der nächsten Folge.  

Anja Roth Auf jeden Fall. Bis dahin. Tschüss.  

Alina Weigelt Tschüss.  

Manuel Zeller Danke, ciao.