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Folge #12: Wie lebt es sich mit Diabetes Typ 1

Zu Gast: Diabetes-Betroffener Mark Fröder

Heute haben wir einen Special Guest im Podcast: Mark Fröder ist seit seiner Kindheit Diabetes mellitus Typ 1 Betroffener. Wie er sein Leben damit bestreitet und wie es sein kann, dass er trotz Diabetes Gummibärchen-süchtig ist, erzählt er Anja Roth und Sophie Samrock in der neusten Folge „so! was? süßes.“ Wenn ihr euch für den Alltag eines Diabetesbetroffenen interessiert und wissen wollt, wie man der Krankheit trotz aller Einschränkungen auch Positives abgewinnen könnt, dann hört unbedingt in diese Folge!

All das erfahrt ihr in der aktuellen Folge unseres neuen Podcasts zu süßer Ernährung.

Viel Spaß beim Hören.

Transkription der Folge:

Sophie Samrock Herzlich willkommen zu einer neuen Folge „so! was? süßes.“. Wir freuen uns sehr, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Mein Name ist Sophie Samrock. Heute mit mir im Studio ist wieder unsere Ernährungs- und Süßeexpertin Anja Roth. Hallo Anja!

Anja Roth Hallo Sophie!

Sophie Samrock Und wir haben heute auch wieder einen Gast bei uns. Lieber Mark, herzlich willkommen! Du bist heute da, weil wir uns über das Thema Diabetes unterhalten und du, Mark, bist selbst von der Krankheit betroffen. Du hast Diabetes Typ 1.

Mark Fröder Genau.

Sophie Samrock Hallo, ja, herzlich willkommen! Wir freuen uns sehr, dass du da bist. Für alle Hörerinnen und Hörer: Es gibt auch noch mal eine extra Folge zum Thema Süßstoffe und Diabetes.Wenn euch das interessiert, dann hört gerne rein. Und ja, nun zu dir, Mark. Genau, wir sprechen heute mit dir als Betroffener über das Thema Diabetes. Wie hast du denn gemerkt, dass mit deinem Körper was nicht stimmt, dass du Diabetes haben könntest?

Mark Fröder Ja, das fing 2003 an. Da war ich grad im Zivildienst tätig bei der Berufsfeuerwehr und ich merkte, dass mein Durstpegel täglich stieg. Du kannst sagen, so fünf bis sechs Monate bin ich mit Typ 1 Diabetes rumgelaufen, ohne dass ich es wusste und bin dann zur Amtsärztin eines Tages, weil ich merkte so, boah, ich trink jetzt schon so fünf bis sechs Liter. Und auch auf der Arbeit musste ich alle halbe Stunde alle 40 Minuten zur Toilette, weil der Körper keine Flüssigkeiten speichert bei einem hohen Blutzucker. Und die Amtsärztin saß mir gegenüber und sagte: „Ja, dann haben Sie bestimmt eine Blasenentzündung“ und gab mir erstmal ein Antibiotikum und schickte mich dann wieder zur Arbeit.

Sophie Samrock Okay, also erst einmal eine komplett falsche Diagnose.

Mark Fröder Ja, sie hätte mir im Prinzip nur in den Finger picksen müssen. Oder Urinprobe. Und ja, das ist alles entfallen, sozusagen. Jetzt kann man sagen, okay, das kann passieren. Ja, ich merkte, wie ich auch abgenommen habe. Das war aber 2003 dummerweise auch ein heißer Sommer. Deswegen habe ich gedacht: Ach, ich habe vielleicht so fünf Kilo abgenommen.

Sophie Samrock Wie alt, wie alt warst du da?

Mark Fröder 23, auch nicht übergewichtig oder so. Also es sind ja oft so Vorurteile, dass man denkt, „Diabetes kriegen nur alte Menschen oder Übergewichtige.

Sophie Samrock Ja ja, Zuckerkrankheit.

Mark Fröder Genau. Na ja, und dann schleppte ich mich da wirklich mit wenig Schlaf zur Arbeit. Dann war der Zivildienst dann irgendwann vorbei und meine Berufsausbildung fing an, dann bin ich dann noch mal zu einem Arzt, zu einem Urologen, weil ich dachte: „Okay, dann hast du wohl immer noch eine Blasenentzündung“. So nach acht Wochen (schmunzelt) oder so. Ich kann es nicht mehr sagen. Es zog sich ein halbes Jahr und ich war bei vier verschiedenen Ärzten. Und die dann alle sagten: Ja, noch mal ein Antibiotikum, noch mal ein Antibiotikum. Bis ich dann einmal in der ersten Woche war das, bei meiner Berufsausbildung da morgens angerufen habe und gesagt: „Es tut mir leid, aber ich kann nicht zur Arbeit kommen“. Ich musste mich übergeben und konnte kaum noch laufen. Und dann bin ich zu irgendeinem Allgemeinmediziner gefahren und der sagte: Okay, du hast einen Blutzucker von 750, du musst sofort ins Krankenhaus.

Sophie Samrock Was ist denn normal?

Mark Fröder Ja, ich kenne so ein Wert, so zwischen 80 und 140. Zu dem Zeitpunkt sagte mir das überhaupt nicht. Ich hatte eine Oma, die hatte mit 90 irgendwie Typ 2 Diabetes und deswegen wusste ich das gar nicht, was das eigentlich bedeutet. Und ja, ich kam ins Krankenhaus, sofort Notsituation sozusagen. Direkt auf der Intensivstation gelandet, weil ich das Bewusstsein fast verloren habe. Und ja, so, da bin ich dann 10 Tage geblieben. Man wollte mich eigentlich sechs Wochen in eine Klinik schicken zum Einstellen. Jetzt war ich aber doch so motiviert, schnellstmöglich wieder in den Betrieb zu kommen, weil ich dachte, ich möchte jetzt nicht meine Arbeit verlieren und sich selber dann auch in dem Moment einzugestehen: Ich habe jetzt eine Krankheit, eine chronische. Das hat mich erst mal umgehauen, als die Diagnose kam. Auf der anderen Seite war ich aber auch irgendwie froh, weil ich: „Jetzt weiß ich, woran ich bin. Jetzt weiß ich, warum es mir so schlecht geht“. Ich habe ja mit etwas, viel Schlimmerem gerechnet eigentlich. Ich dachte ich muss sterben und ja, musste ich dann nicht. Und das war dann trotzdem eine schwierige Zeit. Da kam dann die Ökotrophologin und eine Ernährungsberaterin, die mich dann schnellstens geschult haben, weil die wussten, ich muss hier schnellstmöglich wieder raus, um wieder arbeiten zu können. Und das war natürlich dann erst mal eine schwierige Nummer. Als sie sagten: „Ja, du brauchst jetzt immer Insulin, du musst jetzt messen und dir in den Finger piecken“, weil die ersten Tage im Krankenhaus hat das eine Ärztin gemacht oder die Krankenpflegerinnen und Pfleger. Ja, und dann habe ich gedacht „Ich soll mir jetzt diesen Pen in den Bauch …“. Dann habe ich, das weiß ich noch, war ich so verzweifelt, dann habe ich gesagt: „Wissen sie was, ich mache das nicht. Dann werde ich halt nicht alt. Aber das können Sie vergessen“. Dann hat sie zu mir gesagt: „Okay, ich lass dich jetzt mal fünf Minuten alleine“. Und dann kamen sie wieder rein in den Raum. Dann habe ich gesagt: „Ja, tut mir irgendwie leid, ich wollte gar nicht so ausrasten“. Aber das war ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite habe ich mich gefreut und auf der anderen Seite hat mich das total niedergeschlagen.

Sophie Samrock Klar, ist ja eine krasse Diagnose.

Mark Fröder Total. Also wenn du das dann erst mal so nach und nach erfährst, du kannst dann das und das erst mal nicht essen am Anfang, weil du ja erst mal Mathematik lernen musst, ne? (schmunzelt)

Sophie Samrock Ja, immer rechnen.

Mark Fröder Ja, und dann hat sie gesagt: „Ja, pass auf, du kannst jetzt einfach nix machen. Oder du machst jetzt die paar Schritte täglich, die dein Leben erleichtern und du wirst genauso alt wie alle anderen alten Menschen, die gesund sind und eben alt werden. Das ist nichts, was dich jetzt kürzer leben lässt“. Und dann habe ich mich mit mir selbst beschäftigt und das war dann auch das Positive, was ich daraus rausgezogen habe. So nach und nach, dass ich mich mal mit Ernährung beschäftigt habe. Also ich habe nie ungesund gegessen, eigentlich, aber doch ein bisschen kopfloser. Ich habe mich dann damit beschäftigt, wo kommt das Fleisch her? Bin dann irgendwann Vegetarier geworden. Und was sind Kohlenhydrate? Und ja, wie viel Zucker ist eigentlich in den Lebensmitteln so drin? Man denkt, man kauft ein Gurkenglas und ja, sieht dann erst mal: Überall ist Zucker drin, fast überall. Es ist ja in den letzten Jahren gottseidank besser geworden. Ja, für mich ist das eine gute Diagnose, weil ich denke, ich lebe bewusster. Es klingt erst mal so, dass man denkt: „Mensch, das Wichtigste ist doch, dass man gesund ist. Ja klar. Aber ich fühle mich auch nicht krank. Das war ein Weg dahin, dass ich mich so nicht fühle. Und ja, ich könnte jetzt ein riesen Fass aufmachen, was dann noch alles so passiert ist in den letzten Jahren und wie sehr man doch eingeschränkt ist und wie sehr das doch die Familie miteinbezieht.

Anja Roth Aber wie wichtig ist das denn überhaupt, dass man so die Familie, die Freunde damit einbezieht, also dass sie Bescheid wissen auch über die Krankheit was wissen? Oder sagst du: „Nee. Musst du für dich behalten. Soll keiner wissen“.

Mark Fröder Das habe ich am Anfang gedacht, dass das keiner wissen sollte, weil ich dachte: „Oh Gott, das kommt nicht gut an in der Arbeitswelt“. Wer will schon zugeben: Hey, ich bin behindert oder ich habe eine Behinderung oder ich bin krank. Wollte ich nicht!

Sophie Samrock Man hat ja eigentlich auch keine Pflicht, das zu sagen, ne?

Mark Fröder Natürlich nicht. Also nur das gehört zu einem. Bis ich das akzeptiert habe. Das ist auch wie mit einer Depression, die ich später auch bekam. Begünstigt vielleicht auch durch Diabetes. Man muss das als Teil von sich sehen und dann ist es kein Problem mehr. Also zu der Frage, wie wichtig ist das? Das geht über alles. Das müssen Freunde, Arbeitskollegen wissen und natürlich auch die Familie. Weil wenn die es nicht wissen, gerade am Anfang oder was heißt am Anfang, in den ersten Jahren, kann man sagen, bis man sich so damit eingelebt hat. Und die Technik ist ja schon gut geworden. Man kann Blutzucker messen, mit einem Sensor, mit einem Handy.

Sophie Samrock Das heißt, du musst dich nicht mehr piecksen?

Mark Fröder Ich muss mich nicht mehr piecksen. Ich habe so einen Sensor an meinem Arm, der muss alle 14 Tage gewechselt werden. Das ist ja eine super Technik, die es da gibt. Und in der Berufswelt kann ich sagen, also in den Jahren die ich jetzt mit dieser Krankheit herumrenne, kann ich das an einer Hand abzählen, wie oft mir das Leben gerettet wurde, sozusagen. Man isst abends was, man vermisst sich oder der Körper reagiert anders. Und am schlimmsten sind Unterzuckerungen. Und wenn man dann nicht entdeckt wird, dann kann man daran sterben, das muss man sagen. Und da hatte ich mal ganz tolle Arbeitskollegen, als ich beruflich unterwegs war. Ich bin ja Künstler und Regisseur und war auf einem Dreh unterwegs und kam nicht zum Set. Und dann rief der Protagonist in der Produktion an und ich weiß noch, mein damaliger Kollege Marcel und Olga, denen habe ich wirklich mein Leben zu verdanken, weil die sagten: „Moment, der ist statt um neun jetzt bis zehn Uhr immer noch nicht da, das ist nicht seine Art“. Dann haben die sofort im Hotel angerufen. Und dann kam die Hoteldirektorin da rein. Hat die Tür aufgemacht und ich kam dann zu mir und es saßen so fünf Leute um mich rum. Notärztin und ja, das ist also in dem Fall war es wichtig, sonst wäre ich heute nicht hier. Und solche Situationen sind noch drei, viermal passiert.

Sophie Samrock Ja, Wahnsinn, können wir vielleicht noch mal kurz erklären für die Hörerinnen und Hörer, die jetzt unsere andere Diabetes Folge noch nicht gehört haben, was das genau ist? Vielleicht auch du, Anja als Ernährungswissenschaftlerin kann die Krankheit noch mal kurz erklären.

Anja Roth Also bei dem Typ 1 Diabetes, da ist es natürlich so, dass gar kein Insulin mehr produziert wird und das Insulin ist natürlich super wichtig, damit der Blutzuckerspiegel im Blut reguliert wird. Also wenn zu viel Zucker im Blut ist, ist es natürlich schwierig, vor allen Dingen langzeitmäßig dann auch, daher auch viele Durst und diese Geschichten, auch so Schäden von vom kleinen Nervensystemen. Also du wahrscheinlich auch regelmäßig zum Augenarzt gehen, die Augen kontrollieren, die Füße werden kontrolliert, weil die sind so weit unten, da kommt das Blut so schlecht hin. Das sind so die Spätschäden. Aber wie der Mark schon sagte, sind natürlich diese Unterzuckerungen. Also wenn wenn der Blutzuckerspiegel rasant abstürzt und das hat vielleicht jeder von uns schon mal so ein klein bisschen gemerkt, also auch als nicht Diabetiker kennt man das, dass man in so ein „Hungerloch“ fällt und da geht es eben weiter. Da hört das eben nicht auf damit, dass ich mich einfach nur ein bisschen komisch fühle, sondern da kann der Körper nicht gegenregulieren und das ist wirklich eine Riesengefahr. Also bis hin zum Koma oder wirklich sogar dran versterben. Und das ist halt nochmal der Unterschied zum Typ 2 Diabetes, wo eben schon auch noch Insulin produziert wird, aber eben nicht in der Menge. Dort ist die Gefahr der Unterzuckerung auch nicht so extrem ist wie beim Typ 1 Diabetiker.

Sophie Samrock Und Typ 1 ist angeboren, richtig?

Anja Roth Also er hat erst mit 23 bekommen und ich glaube auch das ist so was, was viel missverstanden wird oder was man nicht weiß. Man denkt immer so: „Ein Typ 1 hast du – ist als Kind angeboren und dann hast du das eben“. Aber das ist falsch. Also den kann man auch entwickeln. Also auch noch später als mit 23. Ich kenne noch deutlich ältere Typ 1 Diabetiker die das noch geworden sind dann. Ich sag mal, wenn Kinder das haben, ist das natürlich nochmal dramatischer, weil dann eben auch die Eltern natürlich die Verantwortung haben, auf das Kind aufzupassen. Und da bekommt natürlich die Familie später noch mal eine viel größere Rolle. Aber im Grunde kann man es in jedem Alter bekommen und es gibt eben auch nicht so was, wo man sagen kann, das sind die Gründe dafür. Also der Mark hat es ja eben auch schon mal so angedeutet. Er war jetzt nicht extra übergewichtig oder hat besonders viel Zucker gegessen oder irgendwie so. Oder irgendwelche Fehler gemacht, dass er das bekommen hat, sondern es hat ihn einfach getroffen.

Mark Fröder Ja, absolut. Also ich war sehr schmal, sehr schlank und habe auch ein bisschen Sport gemacht. Also man wird davor nicht geschützt. Aber ich glaube, was auf jeden Fall hilft, ist eine gesunde Ernährung, also was schwierig ist, weil man natürlich, wenn man einkaufen geht heutzutage. Es gibt vielleicht eine Marmeladensorte, wo kein extra Zucker bei ist. Ja wirklich, selbst bei den Gurken aus dem Glas, da ist Zucker drin. Es ist unfassbar viel Zucker, aber dann lasse ich das einfach weg. Dann nehme ich einfach wirklich Gemüse und gesunde Sachen, auch frische Sachen und man lebt so weniger ungesund.

Sophie Samrock Also weniger Fertigprodukte. Verarbeitete Produkte.

Mark Fröder Genau. Was nicht heißt natürlich – das ist das Gute – ich habe Typ 1 Diabetes, weil ich kann im Prinzip hier sitzen und sagen: „Ich esse jetzt eine komplette Süßigkeitentüte leer, aber ich rechne einfach. Hinten stehen die Kohlenhydrate. Dann sage ich: „So und so viel Gramm esse ich jetzt und das spritze ich mir an Insulin“. Fertig!

Anja Roth Du musst sie dann auch essen, ne?

Mark Fröder Ich muss sie dann noch essen. Das ist dann natürlich so ein kleiner Drahtseilakt jedes Mal wenn man sagt: „Okay, ich habe jetzt eine Pizza liegen, esse ich die jetzt ganz auf oder eben nicht?“. Aber mal ehrlich, wenn ich satt bin und ich habe jetzt schon eine ganze Pizza mein Insulin gespritzt, dann esse ich nur eine halbe auf und trinke dann eben Saft oder ein limonadenhaltiges Getränk mit Zucker, also keine Light- oder Zero-Produkte. Das bringt natürlich dann nichts.

Anja Roth Aber wann würdest du denn Light-Produkte einsetzen? Gibt es für dich einen Moment, wo du sagst: „Ja, also da würde ich auf jeden Fall ein Light-Produkt nehmen, also wirklich ein Zero-Getränk oder auch einen Süßstoff verwenden?

Mark Fröder Immer. Also wenn ich die Wahl habe. Es ist wirklich so, weil ich ärgere mich dann in dem Moment, wenn ich essen gehe zum Beispiel. Und ich habe da jetzt drei Kartoffeln und rechne dann: Okay, ich muss jetzt für drei Kartoffeln Insulin spritzen. Warum soll ich dann jetzt für das Getränk acht Einheiten spritzen? Weil da so viel Zucker natürlich drin ist in so einem, sag ich mal, Limonaden-Getränk. Dann sage ich: Okay, ich hätte dann gerne Light oder Zero, dann brauche ich dafür kein Insulin spritzen. Das ist einfach so ein Schwachsinn, in dem Moment. Also ich bin gezwungen, gesünder zu leben oder ich trinke nur ein Wasser.

Anja Roth Also wenn du den Blutzuckeranstieg verhindern kannst mit einem Light-Produkt, dann tust du das. Und wenn du merkst, du müsstest deinen Blutzuckerspiegel schnell ausgleichen, sind aber gerade gezuckerte Getränke natürlich ganz hilfreich, weil sie einfach schnell auch den Magen passieren und in den Blutkreislauf kommen.

Mark Fröder Ja, genauso ist es. Und das meine ich. Das hat auch einen positiven Effekt, weil ich dann gesünder lebe. Was jetzt nicht heißt, dass wenn ich jeden Tag drei Liter Zero- oder Light-Getränke trinke, das ist dann natürlich auch nicht gesund. Also wie immer gilt in Maßen und die richtige Menge. Wie immer im Leben. Gilt für Alkohol und alle anderen Dinge auch. Also ich fühle mich nicht eingeschränkt, nicht mehr.

Anja Roth Du hast jetzt eben gesagt, du hast jetzt so einen Sensor am Arm. Das war ja nicht immer so, das hat ja glaube ich ein bisschen schwieriger angefangen. Und wie lange hast du jetzt schon diesen Sensor? Das ist glaube ich im Moment so ziemlich das Modernste, was man jetzt so auf dem Markt hat.

Mark Fröder Seit drei Jahren.

Anja Roth Seit drei Jahren schon, ja?

Mark Fröder Ja, davor wirklich sechs, sieben, acht Mal am Tag Blutzucker gemessen, indem ich mir mit einer Stechhilfe in den Finger gepieckt habe und dann gemessen habe. Das ist natürlich aufwendig. Ich war ja auch als Schauspieler unterwegs, jahrelang. Und das ist natürlich dann krass. Du stehst auf der Bühne und hast ein Stück meinetwegen, was drei Stunden oder zwei Stunden geht, da kannst du das natürlich nicht. Wenn du jetzt mal für zwei Minuten am Bühnenrand stehst und hast gleich deinen Auftritt, dann ist das natürlich unfassbar umständlich und ich weiß nicht, wie oft ich auch schon so unterzuckert auf der Bühne stand. Gott sei Dank waren es Komödien dann oft, dass die Leute dann sagten: „Das war toll diese Bewegung und die Leichtigkeit. Ja, man lernte dann auch so ein bisschen, das hat aber was mit mir zu tun, und nicht mit den Menschen da draußen. Ich habe gedacht, ich müsste mich so verstecken dahinter. Einmal habe ich ja gesagt: Ich möchte nicht sagen, ich bin behindert. Oder ich habe eine Krankheit. Es ist ja eine Behinderung im Alltag. Irgendwie schon.

Sophie Samrock Man hat dann immer dieses Stigma als Betroffener.

Mark Fröder Genau. Egal ob es Arbeitgeber, Familie, Freunde vielleicht weniger, aber man tut den Menschen unrecht, weil man denkt dann so: „Boah, das schadet mir. Ich werde dann entlassen oder ich werde anders angesehen“. Ich glaube, eine Ehrlichkeit macht einen auch selbst stark und bringt einen nach vorne. Und wenn da jemand nicht mit umgehen kann, dann nicht. Dann war es eh nicht das richtige Verhältnis in dem Moment.

Sophie Samrock Also hast du das schon mal erlebt? So eine negative Reaktion?

Mark Fröder Dass jemand da ablehnend reagierte? Null, wirklich null. Also die ersten Jahre Fassade aufgebaut, was auch echt anstrengend ist, weil was meine ich damit, wenn ich sage, man lernt das Lügen? Ich bin zum Beispiel auch mal zu spät zur Arbeit gekommen oder weil ich unterzuckert war, weil ich dann morgens nicht wach geworden bin, weil nachts der Blutzucker nach unten gerauscht ist. Dann sagst du natürlich nicht: „Hallo Arbeitgeber, ich habe mich hier total eingepinkelt heute morgen, weil ich unterzuckert war“. Mein Mitbewohner musste mir einen Saft reichen, damit ich überhaupt aufstehen kann. Soweit muss man ja gar nicht gehen. Man kann einfach dann sagen: „Hey, ich habe die und die Krankheit und das ist jetzt passiert. Ich bin unterzuckert und brauche eure Unterstützung“. Und das ist total okay, weil wer braucht keine Unterstützung. Selbst gesunde Menschen brauchen Unterstützung in sämtlichen Lebenslagen. Und das ist auch okay.

Anja Roth Ja wie du eben gesagt hast. Ein Diabetiker ernährt sich ja eigentlich so, wie sich auch wirklich jeder ernähren sollte. Unterm Strich. Das ist ja eigentlich gar nichts besonderes, eine Diabetikerernährung ist ja eigentlich etwas, was für jeden gut passen würde.

Mark Fröder Das stimmt absolut. Was aber nicht immer heißt, dass das so funktioniert. Wenn ich außerhalb essen gehe, weiß ich natürlich: Okay, das sind zwei Kartoffeln. Das kannst du leicht rechnen. Aber wenn ich jetzt – je nach Beruf – körperlich eine krasse Anstrengung vor mir habe, egal ob ich auf dem Bau bin oder als Schauspieler arbeite. Man ist in Bewegung. Das heißt: Der Blutzuckerabbau oder das Verhältnis auch von deinem eigenen Körper, wie er dann täglich mit umgeht, das variiert. Also wenn ich heute einen Apfel, dann spritze ich eine BE (Broteinheit). Morgen habe ich vielleicht mehr Stress auf der Arbeit, auf der Bühne oder wo auch immer eben. Dann habe ich vielleicht schon zu viel Insulin gespritzt. Da muss man sich drauf einlassen. Und dank der technischen Hilfe heutzutage ist das überhaupt kein Problem. Mein Handy oder man kann auch ein Messgerät nehmen, macht Alarm, wenn ich unterzuckere oder überzuckere. Dann schlägt es Alarm und dann weiß ich: Okay, so und so ist der Stand. Und wenn ich möchte, kann ich in meiner Blutzuckerapp auch Freund, Freundin, Familie mit hinzufügen und dann geht dein Handy auch und dann siehst du: „Ach guck hier der Mark, der hat jetzt die 70 Blutzucker. Da rufe ich mal eben an und sage, du musst einen Apfel essen“.

Anja Roth Ich wollte dich fragen, ob du deinen Blutzucker auch stalken lässt. Aber klar, das ist hilfreich, weil im Extremfall kriegst du vielleicht selber gar nicht mehr mit, was da gerade auf deinem Handy abgeht.

Sophie Samrick Wir haben dann allgemein deine Angehörigen, sage ich mal so, Freunde und Familie reagiert, als sie die Diagnose von dir mitbekommen haben?

Mark Fröder Für meine Familie war das schlimm, weil sie dachten: „Oh Gott, der arme junge Mann.

Sophie Samrock Das heißt, es gibt sonst auch keine anderen Betroffenen bei dir in der Familie.

Mark Fröder Meine Oma hatte Typ 2, aber im Alter von 85 – 90 Jahren.

Sophie Samrock Okay, das ist dann etwas anderes.

Mark Fröder Genau, das werde ich auch mal wieder gefragt: „Haben Sie das in der Familie?“ Aber Typ 2 kann man damit einfach nicht vergleichen, dass sie dann sagen können: „Deswegen hast du also Typ 1“. Nee, also ich habe mehrere Ärzte mal gefragt in den letzten Jahrzehnten. Woher kommt es denn? Man sagt ja, das ist wie mit allen chronischen Krankheiten. Irgendein ein Ungleichgewicht in deinem Leben. Stress, Scheidung. Depressionen alles kann dazu führen, wenn es einem nicht gut geht und ich glaube, mir ging es einfach nicht gut. So ab der Pubertät.

Sophie Samrock Also vor allem dann psychisch gesehen?

Mark Fröder Wusste ich vorher nicht. Ich habe immer so den Charakter in der Schule hinterlassen, dass ich der lustige, fröhliche Mensch bin und dachte, das wäre aber auch okay, wenn man dann alle zwei Tage das Gefühl hat, mir fällt die Decke auf den Kopf und man weiß gar nicht warum. Aber man denkt dann auch nicht an eine Depression. So, die hatte ich höchstwahrscheinlich schon vorher. Nicht erst mit der Diabetes und ich spreche da ganz offen drüber, weil das ist natürlich eine zusätzliche Belastung dann noch. Bis man dann vielleicht erstmal feststellt: Okay, ich habe schon seit 10 Jahren eine Depression und nach 20 Jahren ist es festgestellt worden. Gott sei Dank, weil man fällt dann echt unterschiedlich tief. Es ist ja kein Problem, wenn man mal eine traurige Phase hat. Ich will jetzt auch nicht, dass man am Ende dieser Sendung sagt: „Mensch, ach, der Arme“. Aber es ist nun mal die Wahrheit. Es ist halt viel Positives, aber auch irgendwie viel Schwieriges dabei gewesen. Das Schwierige war, das Positives hat Bestand am Ende. Das würde ich auch jedem Depressiven am Ende sagen. Also das will ich jetzt nicht so hervorheben. Eine Depression. Aber es geht damit einher. Die Ärzte sagen: „Oh ja, dann müssen sie sich mal untersuchen lassen. Sie sind Diabetiker? Dann sind sie da anfälliger für“. Es ist schon eine Anstrengung irgendwie

Sophie Samrock Klar.

Mark Fröder Ganz blödes Beispiel: Selbst wenn du in den Urlaub fährst. Du bekommst vom Arzt einen Zettel ausgestellt, der belegt, wie viele Medikamente du bekommst, weil du die und die Krankheit hast. Und ich war dann mal beruflich im Ausland: Hawaii, USA, Japan, im vorletzten Jahr und das hat keinen interessiert. Bei jedem Flug wurde ich zur Seite genommen und ich fühlte mich ein bisschen wie ein Schwerverbrecher. Ich hatte meine Medikamente natürlich in meinem Handgepäck und das war so, die haben vor allen Leuten das komplette Handgepäck auseinandergenommen und das hat mich in dem Moment echt so runtergezogen, weil nicht war mir das peinlich war, dass ich jetzt dachte: Oh, jetzt sehen die die Insulinampullen“. Das war mir relativ egal. Sondern einfach, ja, man muss sich rechtfertigen. Aber wenn man dann noch mal ein zweites, drittes Mal drüber nachdenkt und sich einfach denkt: Ja, das ist das gehört einfach zu mir, die Diabetes und die Depression. Es ist nichts was wo man denkt: „Oh Gott, ich habe die Krankheit“. Sondern: „Das gehört zu mir“. Und am Ende ist natürlich wichtig, dass man das steuert, dass man sich weder von der Depression noch von der Diabetes steuern lässt. Das klingt jetzt so erst mal blöd vielleicht. Weil eine Depression, wie willst du das steuern? Ja, ganz einfach. Wenn es mir nicht gut geht, muss ich mich halt beobachten. Und wenn es mir ganz schlecht geht, bevor ich das zulasse, dass ich mir was antue, muss ich mir Hilfe suchen. Und da bin ich gefragt. Genauso mit der Diabetes. Ich war gefragt, das muss ich auch jedem sagen. Es reicht nicht, zu einem Arzt zu gehen, der sagt: „Sie haben eine Blasenentzündung. Auf Wiedersehen!“

Anja Roth Ja, das hatte ich eben so überlegt. Was würdest du denn da jetzt raten? Das war eine ziemliche Odyssee mit deinen Ärzten. Bist du da wirklich mal eine richtige Diagnose hattest? Wobei, ich weiß noch, als wir uns das erste Mal unterhalten, habe ich auch gleich gesagt: „Das kann ja alles nicht wahr sein, das lässt sich doch schnell feststellen“. Aber was würdest du denn jetzt wirklich jemandem raten, der vielleicht ähnliche Symptome hat. Einfach, um ihm diese Odyssee zu ersparen? Hast du deinen Tipp?

Mark Fröder Auf jeden Fall. Das betrifft aber, wie ich finde, alle Krankheitsbilder. Ob ich jetzt einen Fernsensporn habe oder mir einen Arm gebrochen habe. Es reicht halt nicht zum Arzt zu gehen und allein zu vertrauen, dass mir da geholfen wird. Aber heutzutage ist es wichtig. Und wie gesagt, das gilt nicht nur für die Menschen mit Diabetes, dass man sich einfach wirklich viel selbst informieren muss. Wenn du dich jetzt bei Google und oder sonstigen Suchmaschinen umguckst und du hast ein Hautausschlag steht auf der ersten Seite: „Sie haben Krebs und sie sterben morgen“ und letztendlich war es dann doch nur ein Mückenstich. Aber wenn du weißt, dass es das sein könnte, dann bist du so vorinformiert und musst nicht alles glauben, was der Arzt sagt. Es gibt ja gute Literatur und auch gute Seiten im Internet. Da muss man natürlich wie immer im Leben unterscheiden. Also man muss sich vorinformieren.

Anja Roth Und sich dann auch durchsetzen.

Mark Fröder Ja, das muss man einfordern, ganz klar.

Sophie Samrock Kannst du denn Quellen empfehlen, wo man sich gut informieren kann, wenn man denkt, es könnte Diabetes sein oder wenn man es auch hat, wo man Tipps bekommt?

Mark Fröder Das kann ich so nicht sagen, weil das ist natürlich auch schwierig, dann zu sagen: „Ja, das ist das Forum“. Da gibt es natürlich auch immer viel Blödsinn, was erzählst wird. Aber du kannst es einfach in eine Suchmaschine eingeben. Es gibt natürlich Diabetiker-Foren und so. Es gibt auch Diabetiker-Clubs. Am besten hilft einfach, wenn man jetzt die Diagnose hat, dass man sich sämtliche Apps beschafft. Erst mal so ein Kalorienzähler. Da gibt es unterschiedliche Sachen. Oder willst du es jetzt wissen?Dann gucke ich schnell.

Sophie Samrock Nein, nein, alles gut.

Mark Fröder Ja, es gibt einfach dann gute Apps. Ganz am Anfang hatte ich früher noch ein Buch, da stand dann drin: Die und die Praline, tatsächlich sämtliche Marken, die und die Süßigkeit hat und so und so viel Broteinheiten. Jetzt gibt es aber immer mehr Lebensmittel und so dicke Bücher will keiner mit sich herumtragen.

Anja Roth Vor allen Dingen muss das ja aktuell sein. Ja, also die Rezepturen ändern sich ja auch und dann musst jedes Mal die aktuelle Version haben von deinem dicken Buch.

Mark Fröder Und das Gute ist, du kannst dann das Lebensmittel an sich abfotografieren und die App erkennt das und sagte so und so viele Kohlenhydrate. Meistens steht sie aber auch auf der Packung. Aber wenn du jetzt irgendwo bist und hast jetzt nicht die ganze Verpackung vor dir, dann ja. Ansonsten fragt man im Restaurant: „Sag mal, wie viel Zucker ist denn da genommen? Oder: Kannst du mir das ohne Zucker machen?

Sophie Samrock Können die dir das dann beantworten?

Mark Fröder Wenn es der Service nicht kann, dann fragt der Service im besten Fall den Koch.

Anja Roth Der sollte es wissen (lacht)

Mark Fröder Aber ganz ehrlich: So einen Aufwand mache ich einfach nicht, weil irgendwann weiß man auch ein Burger hat ungefähr das und das und lieber spritze ich ein paar Einheiten weniger als zu viel.

Sophie Samrock Was passiert, wenn du zu viel spritzt?

Mark Fröder Dann unterzuckere ich, das wäre dann doof.

Anja Roth Oder man muss einen zweiten Burger essen.

Mark Fröder Genau. Aber wie gesagt: Nicht die Diagnose ist schlimm, sondern der Weg dahin. Ja, also in meinem Fall war es so. Da war die Technik vielleicht aber auch noch nicht so weit oder in jedem Fall. Und ja, das kann ich sagen. Man muss sich halt viel selbst helfen. Das ist aber auch okay. Es gibt da gute Foren und gute Apps, die dir direkt die Infos raushauen. Selbst in einem Fast-Food-Restaurant gibt es so Handouts. Da kann man dann sagen: „Ich würde gerne die Inhaltsstoffe einsehen“. Da sind dann die Burger aufgezeichnet und dann stehen dann da deine wichtigen Infos, nämlich wie viel Kohlenhydrate hat das Ding eigentlich?

Sophie Samrock Aber es ist schon mehr Verzicht, würdest du sagen, durch die Krankheit. Oder?

Mark Fröder Nee, Verzicht auf gar keinen Fall. Das hätte ich vor 15 Jahren vielleicht noch gesagt. Ich würde eher sagen bewusst.

Anja Roth Jetzt kommt schon der Krankenwagen hier im Hintergrund (lacht)

Mark Fröder Der Blutzucker ist okay. Sonst hätte das hier schon Alarm gegeben (lacht) Nein, überhaupt kein Verzicht, weil ich verzichte, wenn man das so nehmen will, eigentlich nur auf Schwachsinn, was eh nicht wichtig ist. Es ist ja jetzt echt nicht wichtig, dass ich jetzt das zuckerhaltige Getränk trinke. Und mal ehrlich, wer kann schon jeden Tag alles? Selbst der Gesunde nicht. Oder die gesunde Person. Und es ist immer irgendwie eine Art Verzicht oder bewusstes Denken gefordert, egal was. Also Gott sei Dank, auch wenn man nicht mehr bewusst ist, dann hängt man auf der Straße und hat keine Perspektive mehr. Und wie gesagt, die Diagnose ist nicht das Schlimme. Der Weg dahin ist das Einzige, was stressig sein kann. Auch in der heutigen Zeit sicher. Und wenn man sich informiert und wenn man über sich und sein Leben nachdenkt, dann ist das eine super super Krankheit, kann ich sagen (lacht)

Anja Roth Wenn das kein schönes Schlusswort ist. Also ich finde es total klasse, dass du so offen mit uns über deine Krankheit gesprochen hast und uns da so viele Infos auch so drumherum gegeben hast und uns wirklich einen Einblick gegeben hast. Und ich glaube auch wirklich so von anderen, die das vielleicht nicht so kennen, auch wirklich jetzt mal ja auch ein ganz anderes Wissen halt mal da ist. Und ich glaube man, man sieht jetzt schon auch einen Diabetiker gleich mal mit anderen Augen dann, wenn man dem begegnet oder das so hört. Und ich finde es super, wie du das alles so meistert und danke, dass du das mit uns so geteilt hast. Auf jeden Fall.

Mark Fröder Ich habe zu danken. Also ich finde das toll, dass auch mal so erzählen zu können. Aber das ist keine Schönrederei. Wirklich nicht. Es ist natürlich auch ein Paket, was man dann mit sich herumträgt. Man muss einmal im Quartal zum Diabetologen, sei es, um da Rezepte abzuholen oder Blutcheck, die wird immer Blut abgenommen. Urin wird getestet. Du musst einmal im Jahr zum Augenarzt, zum Hautarztcheck und so weiter. Aber dann kosten natürlich auch die Medikamente jedes Mal Geld, weil du hast ja dann doch den Eigenanteil, die Rezeptgebühr, die du bezahlen musst. Aber ich muss dann jetzt sagen, ich muss jetzt dadurch auf nichts verzichten.

Sophie Samrock Finanziell gesehen.

Mark Fröder Ja. Also selbst die Leute, die sich das nicht leisten können, weil die – weiß ich nicht – unter Hartz-IV-Niveau sind. Die werden da ja unterstützt und bekommen denselben Support wie ich, dieselben Medikamente. Und mein Gott, wenn man jetzt sagt, das kostet mich 150 Euro im Jahr, mein Gott, dann mache ich eben was anderes eben nicht mehr.

Sophie Samrock Da hat man vielleicht bei anderen Krankheiten auch. Mir fällt jetzt gerade kein Beispiel ein, aber man hat immer einen gewissen Eigenanteil.

Mark Fröder Ja, es ist dann etwas mehr, weil du brauchst es halt immer und ein Leben lang. Und ich habe halt auch gedacht am Anfang: Oh Gott! „Wie können Sie sagen, dass das ein Leben lang Bestand hat?“ Dann sagte sie: „Ja, stand jetzt“. Und dann habe ich natürlich jedes Jahr gedacht: Ach, jetzt ist die Technik und die Medizin schon so weit. Warte mal ab, noch zwei, drei Jahre. Es ist weg. Aber ich kann mir vorstellen, dass es nach zehn, zwanzig, dreißig Jahren, Stand heute, vielleicht weg ist. Aber darauf darf man echt nicht hoffen und bauen.

Sophie Samrock Das sind vielleicht auch noch eine interessante Frage Ist Diabetes heilbar?

Anja Roth Nein, bisher nicht.

Mark Fröder Nein, bisher nicht.

Anja Roth Es ist ja schon erstaunlich. Ich sage mal, wenn wir uns überlegen, das Insulin ist jetzt gerade mal 100 Jahre alt. Also 100 Jahre ist jetzt eigentlich ja noch nicht so viel für so eine Geschichte. Vor 100 Jahren wurde gerade mal Insulin entwickelt und heute hast du da so ein Knopf im Arm, sage ich mal und kannst es mit deinem Smartphone abscannen. Da hat sich ja tierisch was bewegt, in der Technik auch und in den Medikamenten. Und da besteht natürlich die Hoffnung, dass da noch was kommt. Also das ist sicher noch nicht das Ende von der Fahnenstange.

Mark Fröder Glaube ich auch!

Anja Roth Aber heilbar glaube ich eher nicht.

Mark Fröder Es gibt ja so Überlegungen: Man könnte sich ja Organtransplantation hingeben und dann eine neue Bauchspeicheldrüse bekommen. Aber es ist eine chronische Krankheit und die wird vom Kopf gesteuert. Selbst die wird dann irgendwann zerstört, weil der Körper sagt: Nein, nein, das möchte ich nicht. Und auch die Nebenwirkungen, die du dann hättest. Also du musst ja dann auch Immunsuppressiva nehmen, also das steht in keinem Verhältnis. Und deswegen: Einfach akzeptieren, sich Hilfe suchen, wenn man merkt, man fällt und man hat sein Leben nicht mehr im Griff. Das ist auch völlig okay, das zuzugeben. Und am Ende wird alles gut. Das ist immer so!

Sophie Samrock Dann kommen wir jetzt zu unserem Faktencheck. Fakt 1: Diabetes Typ 1 ist nicht heilbar, aber man kann gut damit leben und ein Bewusstsein für eine gesündere Ernährung schaffen. Fakt 2: Diabetes Betroffene haben es durch den Blutsensor, der am Oberarm angebracht wird, inzwischen deutlich leichter als früher, als sie noch manuell den Blutzuckerspiegel messen mussten. Fakt 3: Betroffene sollten offen mit der Krankheit umgehen und ihr gesamtes Umfeld informieren: Freunde, Familie, Arbeitskollegen, Mitschüler und so weiter. Ja, wir hoffen, ihr habt viel aus der Folge mit Mark mitnehmen können. Vielen Dank noch mal Mark, für die tollen Einblicke in dein Leben als Betroffener und auch deine sehr ehrlichen Schilderungen und Antworten. Wir hoffen vor allem natürlich auch, dass es anderen Betroffenen weiterhilft und dass sie viel aus der Folge mitnehmen können. Und ja, vielen Dank an dich, auch an Anja, dass du wieder mit dabei warst. Und dann freuen wir uns natürlich sehr, wenn ihr das nächste Mal wieder mit einschaltet. Bis dahin macht’s gut.

Mark Fröder Vielen Dank.

Anja Roth Ja. Tschüss!

 Mark Fröder Tschüss!