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Folge #04: Mit Typ 1 Diabetes zu Olympia (zu Gast: Timur Oruz)

Zu Gast: Timur Oruz, Feldhockey-Nationalspieler, Olympionike und Diabetes-Botschafter

In der neuen Folge von so! was? süßes. haben wir mit Multitalent Timur Oruz gesprochen. Er spielt Feldhockey in der deutschen Nationalmannschaft, studiert Medizin und ist Diabetes-Botschafter. Letzteres liegt ihm besonders am Herzen, da er selbst von Diabetes mellitus Typ 1 betroffen ist. Dafür, dass man mit dieser Erkrankung hervorragend leben kann, ist Timur selbst wahrscheinlich der beste Beweis. Kurz vor den Olympischen Spielen in Tokio hat uns das Feldhockey-Ass einen Besuch in unserem Podcast-Studio abgestattet. Ernährungswissenschaftlerin Anja Roth und Moderatorin Sophie Samrock sprechen mit Timur unter anderem über seinen Alltag als Sportler und erfahren, mit welchen zusätzlichen Herausforderungen der 26-jährige an Trainings- und Spieltagen konfrontiert wird. Wenn ihr wissen wollt, wie man mit einem normalen 24-Stunden-Tag ein Leben als Medizinstudent, Hochleistungssportler und Diabetes-Botschafter unter einen Hut bekommt, dann hört gerne in die neue Folge.

All das erfahrt ihr in der aktuellen Folge unseres neuen Podcasts zu süßer Ernährung.

Viel Spaß beim Hören.


Transkription der Folge:

Sophie Samrock Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge so!was?süßes. – Dem Podcast rund um das Thema süße Ernährung. Mein Name ist Sophie Samrock und mit mir im Studio ist heute wieder unsere Ernährungs- und Süße-Expertin Anja Roth. Hi Anja!

Anja Roth Hallo Sophie!

Sophie Samrock Außerdem haben wir heute wieder einen sehr spannenden Gast bei uns vor Ort. Herzlich willkommen Timur Oruz, wir freuen uns sehr, dass du da bist.

Timur Oruz Ich freue mich auch. Danke!

Sophie Samrock Dich kennen sicher schon einige unserer Hörerinnen und Hörer, denn du bist natürlich in der Sport Szene als Hockey-Olympionik bekannt. Ich hoffe man sagt das so.

Timur Oruz Kann man so sagen, ja.

Sophie Samrock  Sehr gut. Genau. Und du hast bei Insta auch eine sehr große Followerschafft, rund 10.000 Leute folgen dir dort. Also bist quasi ein richtiger Influencer.

Timur Oruz Joa. (lacht)

Sophie Samrock Wenn man das so sagen kann. Genau. Und für die, die dich aber noch nicht kennen, möchtest du dich vielleicht noch mal kurz vorstellen?

Timur Oruz Klar, kann ich gerne machen. Ich heiß Timur Oruz bin jetzt 26 Jahre alt, jung, wie mans sieht. Spiel Hockey, seit meinem dritten Lebensjahr, bin Typ 1 Diabetiker, seit meinem fünften Lebensjahr und studier noch Medizin. Mir wird also nicht langweilig so im Alltag und werd jetzt in nicht mal zwei Wochen dann zu den olympischen Spielen fahren, das werden meine zweiten sein, in Tokio. Und darauf freue ich mich natürlich sehr und freue mich jetzt auch auf unseren Podcast und unser Gespräch heute.

Sophie Samrock  Ja, super spannend. Vielen Dank für die Vorstellung. Zum Thema Diabetes kommen wir natürlich gleich, aber zu Beginn für alle, die nicht so ganz wissen, so wie ich zum Beispiel, wie der Sport Hockey funktioniert oder wie du zu dem Sport gekommen bist, kannst du darüber vielleicht noch mal ein bisschen was erzählen.

Timur Oruz Ja, fange ich ganz vorne an. Ich bin zum Sport gekommen über meine Eltern. Mit drei Jahren war das noch keine ganz so bewusste Entscheidung von mir selber. Ich sollte mich bewegen. Ich komme aus Krefeld ursprünglich, da war in der Nähe meines Elternhauses der Hockeyplatz. Und dann wurde ich dahin gesteckt, habe mit Freunden auch aus dem Kindergarten dann da angefangen, hatte viel Spaß, waren draußen, haben uns viel bewegt im Team, hat einfach gepasst und da bin ich dann auch geblieben. Habe eine Zeit lang auch noch Tennis gespielt, aber der Hockey Sport war dann nachher meine große Liebe und genau, Hockey, ja, wer es nicht kennt, es gibt gewisse Parallelen zum Fußball. Wir sind auch elf Leute, ein Torwart und zehn Feldspieler. Wir haben doch ein paar andere Regeln. Also kein Abseits. Wir haben Interchanging. Das ist recht wichtig, auch für meine Zuckereinstellung im Spiel, bedeutet, wir können jederzeit rein- und rauswechseln. So ein bisschen wie vielleicht beim Eishockey. Wir machen es nicht ganz so schnell, aber alle paar Minuten komme ich mal kurz raus an die Bank und kann dann da natürlich auch meine Werte checken. Genau. Und sonst Mannschaftssportart. Und das ist für mich so das Wichtigste. Jetzt ins Detail zu gehen, wie man mit dem Schläger und dem Ball spielt ist glaube ich zu krass hier für den Podcast. Aber ich kann natürlich jedem empfehlen, der Hockey noch nicht gesehen hat, vielleicht jetzt bei den Olympischen Spielen mal reinzuschauen, sich das anzugucken. Es ist schnell und dynamisch. Und ja.

Sophie Samrock Wann ist euer erstes Spiel?

Timur Oruz Wir spielen am 24..

Sophie Samrock Okay, dann ja – Empfehlung an alle Hörerinnen und Hörer, sich das mal anzuschauen. Wir haben es ja gerade schon angesprochen. Wir sprechen heute über das Thema Diabetes im Speziellen, im Zusammenhang mit dem Thema Leistungssport und zum Thema Diabetes haben wir schon ein paar andere Folgen in petto, die wir euch natürlich gerne in den Shownotes verlinken. Genau. Und dann übergebe ich gerne an Anja, die sich dazu ein paar schlaue Fragen überlegt hat.

Anja Roth Ja, also jetzt gerade ist mir eigentlich noch eine Frage gekommen. Du hast gesagt, du hast mit drei angefangen Feldhockey zu spielen und mit 5 dann deinen Diabetes bekommen. Glaubst du andersrum hätte das auch funktioniert? Also wenn zuerst der Diabetes da gewesen wäre und wie schwierig war das dann auch für alle Beteiligten? Sag ich mal.

Timur Oruz Ja, ist eine gute Frage, so rum, wie ich es erlebt habe empfinde ich es oder empfand ich es als einfacher. Weil ich hatte schon meine Teamkameraden, meine Freunde, die mich, gut wir waren klein, aber irgendwie auch akzeptiert hatten und kannten. Gleichzeitig sage ich und erzähle ich aber auch immer wieder, mein Alter, dass ich es so früh bekommen habe. War auch ganz entscheidend, weil Kinder sind da oder auch generell Sport. Da ist es ja egal, wie man so schön sagt, wo man herkommt, wie man aussieht, was man hat, ob man jetzt zuckerkrank ist oder einem ein Bein fehlt oder was auch immer. Da geht es einfach darum, ob man mitspielen kann, ob man gut genug ist und dann wird man automatisch akzeptiert. Das habe ich so auch erfahren. Also ich habe mich nicht wirklich einschränken lassen, bin weiter zum Training gegangen und war auch weiterhin schnell und konnte alles machen und so war das eigentlich nie ein großes Thema, weshalb ich mich ausgegrenzt gefühlt hätte oder ähnliches.

Anja Roth Und der Trainer hatte da auch kein Problem mit, weil ich höre es oft so, gerade für Grundschulkinder, dass dann die Lehrer ausflippen oder damit nicht umgehen können oder so..

Timur Oruz Als ich Diabetes bekommen habe, war meine Trainerin die Mutter eines meiner besten oder einer meiner besten Freunde, die auch mit meiner Mutter gut bekannt war. Und meine Mutter ist Kinderärztin, hat sich also recht schnell auch meinem Diabetes angenommen und mich da echt sehr engmaschig betreut. Zum Teil zu meinem oder zum Großteil zu meinem Vorteil. Manchmal natürlich auch zu meinem Nachteil, wenn man so jemanden direkt an seiner Seite zu Hause hat. Aber genau, daher war da nicht das Problem, dass die Trainerin da Berührungsängste gehabt hätte. Das war gut und so ist das dann auch weiter gegangen. Aber klar, mir ist bewusst, dass das nicht der Standard ist und dass es leider viel zu häufig auch heutzutage noch ein Problem darstellt. Oder Lehrer oder Trainer, was du auch angesprochen hast, damit nichts zu tun haben wollen, weil sie einfach Angst haben, sich damit nicht genau auskennen und keine Fehler machen wollen. Und gerade deshalb ist es wichtig und gut, dass auch immer hier zu platzieren oder auch woanders, an anderer Stelle Aufklärung zu betreiben. Zu sagen, es geht eigentlich alles und man muss einfach nur vielleicht ein bisschen offen sein und den Menschen zeigen und erklären, wie es funktioniert.

Sophie Samrock Wie sieht denn dann dein Trainings-Alltag aus? Also musst du da auf irgendwas spezielles bei der Ernährung achten oder wenn dann ein Spiel mal länger dauert, wenn du nicht schnell in die Pause gehen kannst.

Timur Oruz Grundsätzlich muss ich natürlich immer auf die Situation reagieren. Also klar, ein Training kann nicht vorher den Trainer fragen Was machen wir? Wir machen Krafttraining jetzt heute. Aber das sagt ja nicht gleichzeitig auch aus, wie intensiv es dann wird für mich. Und auch ein Spiel kann mal länger dauern, intensiver werden, das weiß ich vorher nicht. Ich muss immer auf die Situation reagieren und das mache ich natürlich dann auch mit dem Zucker. Also ich messe immer wieder und kann dann vorher schauen, ob es gepasst hat, was ich an Zucker oder Insulin vorher vorgesehen habe. Aber im großen Ganzen ist es eigentlich immer wieder ein feinjustieren, reagieren, schauen, ob es dann passt. Und das mache ich dann auch in der Situation. Sprich noch mal eine Banane, dann hinterherschießen oder vielleicht dann auch noch mal eine Einheit Insulin, um dann zu schauen, dass ich in dem perfekten Fahrwasser bin, was ich einfach brauche und um da meine Topleistung zu bringen. Aber das passt im Großen und Ganzen eigentlich ganz gut.

Anja Roth Aber was musst du denn jetzt als Profisportler wirklich anders machen als deine Teamkollegen, die eben keinen Diabetes haben?

Timur Oruz Also ich muss natürlich schon permanent darauf achten, dass mein Blutzucker in einigermaßen stabilen Bahnen oder Fahrwassern dann unterwegs ist, weil meine Leistung davon einfach extrem abhängt. Meine Mitspieler können dann einfach zum Buffet gehen, nach dem Training essen was sie wollen, in Anführungsstrichen und legen sich danach schlafen in der Mittagspause und dann ist gut. Bei mir bedarf es dann doch ein bisschen mehr Gehirnschmalz in solchen Situationen zu überlegen, Okay, was haben wir jetzt gerade trainiert? Wie anstrengend war die Einheit? Wie viel Insulin spritze ich jetzt hier für den Teller Nudeln? Was habe ich mir draufgepackt? Gerade wir sind viel unterwegs mit der Nationalmannschaft, da ist das auch immer ein riesen Überraschungspaket in Hotels, dass man nicht weiß, Okay, aus was besteht denn jetzt diese Tomatensoße? Wirklich aus Tomaten oder aus irgendwelchem anderen Gedöns? Das ist dann tatsächlich auch gerade in den ersten Tagen immer ein großes Rumexperimentieren. Muss man einfach so sagen, weil ich es nicht weiß. Und ja, dann herantasten und ausprobieren. Und irgendwann klappt es dann auch. Aber ich muss quasi deutlich wachsamer sein und mehr probieren und krieg dann natürlich auch mehr Rückmeldung, was positiv ist von meinem Körper. Aber gerade wenn es natürlich zu hoch, zu niedrig geht, raubt mir das auch Kraft. Also eine zusätzliche Herausforderung, die ich aber im großen Ganzen sehr gerne annehme und auch meister.

Anja Roth Ist das nicht so, also ich habe mir das immer so vorgestellt. Da kommen jetzt so Profisportler in ein Hotel und dann hat das Hotel da 1a alles vorbereitet. Nur gesundes Essen. Da steht nur Gemüse und Obst vom Feinsten und alles ausgewogen. Alle Befindlichkeiten werden beachtet.

Timur Oruz Jein. Also es hat sich natürlich schon extrem entwickelt in den letzten Jahren, also auch bei uns. Wir haben auch immer eine Zwischenmahlzeit,  Zwischenmahlzeiten, bieten unsere Staff-Mitglieder uns quasi an. Früher gab es da wirklich regelmäßig auch Schokoriegel und Cola und weiß nicht was. Das ist mittlerweile komplett verschwunden. Also da geht es schon eher Richtung ordentliches Müsli, Avocado, Alpro-Produkte und so weiter und so fort. Bei den Hotels ist es manchmal schwierig, weil je nachdem in welchem Land du unterwegs bist, ist natürlich der Standard da auch was anderes. Also Lieblingsbeispiel für uns Deutsche ist natürlich das Frühstück, wo die meisten von uns gerne ein Schwarzbrot oder Vollkornbrötchen essen. Das kriegst du halt in Spanien nicht mal eben so, sondern dann liegen da halt die Toasts und die komischen weißen Brötchen, die gar keine richtigen Brötchen sind. Und dann wird es schon schwieriger. Und dann steht da auch kein richtiges Müsli und da muss man halt gucken, was man isst. Was dann die warmen Mahlzeiten angeht, klar, mittlerweile haben wir auch immer glutenfreie Produkte bei den Buffets. Aber es war jetzt zum Beispiel, wir waren gerade in Spanien, da isst du fast eine Woche lang dann Nudeln mit Tomatensoße, weil da sonst von der Qualität nicht viel mehr angeboten wird. Es lag zwar auch immer frisches Obst da, aber auch da muss man natürlich aufpassen, wenn ich mir da einmal am Tag so einen Teller Obst reinknalle, das bringt mir dann auch unterm Strich nicht mega viel. Also es ist eine Herausforderung, aber eine Sache, die im großen Ganzen geht. Aber manchmal ist es leichter, manchmal schwieriger.

Anja Roth Und wer sorgt für dich, wenn du zu Hause kochst oder isst?

Timur Oruz Das muss ich natürlich selber machen. Ja doch, ich mach das selber, auch gerne. Ich mache das sonst natürlich auch mit meiner Freundin, die übernimmt das dann auch manchmal. Ist natürlich sehr angenehm, wenn wir irgendwie abends noch lange trainieren, dass ich dann nicht noch nach Hause kommen muss und kochen muss ich. Durch die Zeit bin ich aber auch gegangen. Also das geht auch alles. Genau. Ich bestell eigentlich wenig Essen, weil da auch wieder so die Sache ist,  aus was ist dann was gemacht? Ich habe da meine ein, zwei Stamm-Restaurants, -Lokale, da weiß ichs dann mittlerweile, aber sonst bin ich ein Fan davon, auch selber die Sachen zuzubereiten, weil ich weiß, was drin ist und die Portionen dann auch groß genug sind für mich. Und ich satt werde.

Anja Roth Also das heißt, du musst dich eigentlich schon auch sehr gut mit Lebensmitteln auskennen.

Timur Oruz Ja, definitiv. Ich denke, das ist als Diabetiker ja absolut notwendig, aber leider auch nicht immer der Fall, weil es natürlich doch auch einer gewissen Aufklärungsarbeit bedarf von Familienangehörigen, Eltern vor allem, wenn man im Kindesalter das bekommt. Da waren meine Eltern sicherlich vorbildlich unterwegs und haben mich da gut erzogen. Aber auch da, leider Gottes wieder kein Standardverfahren, glaube ich, in unserer Gesellschaft. Gerade aufgrund des Zeitdrucks, den Einjeder mittlerweile ja auch in seinem Alltag drin hat, greift man ja doch schneller zu irgendwelchen Fertigprodukten, Fastfood, was man mal eben so halt an der Ecke bekommen kann. Und das ist natürlich in der Regel nicht das Beste für den Körper und bringt dann gerade auch bei einer Blutzuckereinstellung viel Chaos rein.

Anja Roth Ich habe ganz vergessen zu fragen, ob eigentlich, wir sind ja hier beim Süßstoff-Verband, ob Süßstoffe eine Rolle in deinem Leben spielen, also ob jetzt in Getränken oder beim Kochen oder was auch immer.

Timur Oruz Ja, sicherlich. Also ich versuche bei manchen Sachen den normalen Zucker zu vermeiden und gerade früher wurd auch sehr viel bei mir mit Süßstoff gearbeitet, weil meine Mutter das dann so auch eingesetzt hat. Gleichzeitig waren allerdings auch die klassischen Diabetiker-Produkte, die es früher ja noch viel viel stärker gab. Also so das Beispiel Diabetiker-Nutella, bei mir war dann präsent und ich durfte früher dann gar kein Nutella essen. Aber so ist es jetzt nicht mehr bei mir. Ich versuche grundsätzlich schon zu schauen, ganz normal mich zu ernähren. Also jetzt nicht, mich zu kasteien, zu sagen, Och Gott, das und das, das darfst du gar nicht essen. Aber klar, Süßstoff hilft zum Teil, dass ich auf gewisse Lebensmittel nicht ganz krass verzichten muss oder da vielleicht auch eher Sachen nutzen kann. Im Großen und Ganzen muss ich aber sagen, versuche ich auf nichts zu verzichten. Und das hilft gerade dadurch, dass ich so viel Sport mache, dass ich das auch nicht tun muss. Also so ein zweischneidiges Schwert.

Anja Roth Ja, ja klar, sie können eine Hilfe sein, aber sie sind halt nicht das Muss. Hast du denn schon mal in Verbindung mit dem Diabetes und dem Leistungssport schon mal richtige Probleme gehabt? Dass es wirklich mal, fast schief gegangen wäre.

Timur Oruz Was heißt richtig schiefgegangen? Viele fragen mich oder wundern sich dann, ob ich denn zum Beispiel gar nicht unterzuckere oder so. Ich unterzuckere regelmäßig und ein Diabetologe würde wahrscheinlich auch sagen viel zu häufig. Für mich geht es da immer so darum, das gesunde Mittelmaß vielleicht zu finden, dass ich schaue, wenn ich unterzucker, dass ich da nicht zu stark und zu lange drin bin. Also wenn ich merke, ich geh runter, ich spür das zum Glück selber ganz gut, ich habe eine gute Eigenwahrnehmung, dass ich frühzeitig dann gegensteuer und versuche natürlich auch zu verhindern, dass ich dann direkt Richtung 300 hoch schieße. Aber ich habe jetzt keinen keine Strich-Verläufe bei meinen Blutzucker werten, wenn ich da beim Lehrgang oder bei nem Turnier bin. Da geht es natürlich mehr auf und ab als bei jemandem, der Diabetes hat und, ich sage, mal ganz normalen Bürojob, wo er klare Arbeits- und Essenszeiten hat. Das schaffe ich auch einfach nicht. Da muss man dann finde ich auch immer so ein bisschen schauen, was ist denn jetzt realistisch, was ist wirklich darstellbar? Ich kann mich einfach nicht mit so einer Person vergleichen, wenn ich gleichzeitig zwei, drei Trainingseinheiten und Spiele habe am Tag. Genauso wie diese Person sich nicht körperlich mit mir vergleichen kann, sie kann nicht den gleichen Körper haben wie ich, wenn ich so viel trainiere und diese Person es nicht macht. Daher ja, immer eine Herausforderung. Aber genau, ich würde sagen, dass das gesunde Mittelmaß triffts.

Anja Roth Aber du hast es für dich also wirklich gut im Griff würdest du sagen?

Timur Oruz Ja würde ich schon sagen! Ich bin jetzt, wenn du darauf hinaus wolltest, ich bin bis jetzt nie umgekippt oder so, brauchte nie Hilfe auf dem Platz, man musste mir noch nie das Leben retten. Die einzigen brenzligen Situation, das waren vielleicht ein, zwei bisher in meinem Leben. Eine war unter anderem im Zusammenhang mit Party/Alkohol, wo ich eigentlich auch immer sehr sehr vorsichtig bin, aber das war dann mal eine quasi Einstiegsfeier bei meinem neuen Verein damals, eine Weihnachtsfeier. Die war schon eine Ansage. (lacht) Aber nee, sonst hatte ich es einmal in meiner Jugend, da habe ich Basketball gespielt mit Freunden vor der Haustür und da habe ich gespürt, dass ich unterzuckere und wollte das Spiel aber unbedingt zu Ende bringen und habe das auch noch gemacht und bin dann rein in die Küche und wollte einen Traubenzucker zu essen und musste also noch eine Stufe überwinden. Und da habe ich dann tatsächlich gemerkt, wie so die Kraft im Bein so ein bisschen weg war und ich dann fast auf allen Vieren noch in die Küche bin. Und da hat ich dann glaube ich blutig gemessen, was von 35, natürlich schon eher niedrig und grenzwertig. der ein oder andere klappt dann vielleicht  auch schon um. Das war so das krasseste, an das ich mich erinnern kann. War aber auch vielleicht naiv-dumm von mir. Bin irgendwie ja bewusst in diese Situation reingegangen und ich habe es vorher gespürt, habe dann meinem Körper gesagt, ich möchte jetzt das Spiel zu Ende spielen. Das habe ich dann so auch in dem Ausmaß sicherlich danach nicht mehr gemacht.

Anja Roth Vielleicht kannst du noch mal ganz kurz erklären, warum gerade im Zusammenhang mit Alkohol der Diabetiker, da häufiger ein Problem bekommt oder schneller ein Problem bekommt.

Timur Oruz Alkohol ist natürlich recht trügerisch. In geringeren Mengen ist das vielleicht sogar, oder habe ich auch schon die Erfahrung gemacht, ganz cool für die langfristige Zuckereinstellung. Was jetzt zum Beispiel so eine Nacht angeht, fahr ich, wenn ich irgendwie mal, kommt sehr selten vor aber, ein Glas Wein trinke, häufig sehr gut. Im Grundsatz erkläre ich das aber Menschen immer so, dass der Alkohol am Anfang vielleicht dazu führt, dass man Zucker, je nachdem was ich trinke natürlich, mal leicht ansteigt und dann im worst case, wenn ich dann mich wirklich richtig doll betrinke, die Leber aber mit dem Abbau des Alkohols beschäftigt ist und die Gluconeogenese, also jetzt die Zucker-Speicher und die Reserven, die beim Fall einer Unterzuckerung dann zur Verfügung gestellt werden, da nicht mehr ganz an Prio 1 stehen und dieser Effekt des Körpers zur Eigensicherung, zum Schutz dann einfach so ein bisschen ausgestellt wird und es schneller dann zu Momenten kommen kann, wenn es dann in die Unterzuckerung geht, dass ich einfach dann umfalle, anstatt dass ich noch ein bisschen Puffer hab. Und gerade das kennt natürlich auch  einjeder. Wenn dann Alkohol im Spiel ist, spürt man Sachen auch nicht mehr so gut, den eigenen Körper, das Körpergefühl nimmt ab und dann kann es natürlich ruckzuck gehen. Und das war auch immer meine große Sorge früher. Das hab ich aber erst sehr spät Erfahrung quasi mit Alkohol gemacht, weil ich mir gedacht, okay, wenn ich dann wirklich umkippe und meine Freunde sind auch alle betrunken, die denken dann man drüber nachdenken, der hat einfach zu viel getrunken und dann, wie das halt so ist, ich habe es eingangs auch schon gesagt Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene können dann auch echt asi sein. Also auch sehr direkt sagen Guck mal, der ist einfach zu dicht, hat noch nie Alkohol getrunken und ich kämpfe da grad um mein Leben. Da möchte ich gleichzeitig auch nicht die Verantwortung meines eigenen Lebens in die Hände von meinen Freunden geben. So, das ist nicht deren Aufgabe, aber ich möchte darauf auch in der Situation dann nicht angewiesen sein. Weshalb ich eigentlich immer, wenn ich Alkohol trinke, das Level so anpeilen, dass ich selber noch messen kann und auch noch selber mich spritzen könnte oder reagieren könnte und das schaffe ich auch. Oder habe ich bisher auch zu 99,999% geschafft. Es gab wie gesagt die ein, zwei Ausnahmen, wo es vielleicht brenzlig war, aber auch da lag ich jetzt nicht irgendwo komatös rum, sondern da war es so, dass mir dann vielleicht doch mal ein Freund sagen musste So, trink die Cola jetzt aus, wenn ich dann unterzuckert war,

Sophie Samrock  Also deine Freunde wissen auch alle Bescheid, Familie, Teamkollegen?

Timur Oruz Absolut. Also die Menschen muss man auch ins Boot holen. Das sage ich auch immer wieder, auch auf dem Arbeitsplatz, wenn ich das höre. Dass Leute das da vielleicht nicht kommunizieren, nicht kommunizieren wollen, fürs Spritzen irgendwie aufs Klo verschwinden, halte ich für den absolut falschen Weg. Das ist nichts, was man verstecken muss. Diabetes, da kann man sehr gut mit leben und selbst wenn es Menschen gibt und für mich ist das schwer vorstellbar, aber ich weiß, dass es sie gibt, die so was dann irgendwie nicht gutheißen oder sich darüber lustig machen oder vielleicht einen deshalb ausgrenzen. Da rate ich dann immer, das eher als Feedback anzunehmen und sich von diesen Menschen vielleicht einfach zu distanzieren. Und gerade wenn man diese Menschen vielleicht vorher Freunde genannt hat, sich zu überlegen, ob das wirklich Freunde sind, wenn man aufgrund solcher Geschichten dann da irgendwie negatives Feedback bekommt. Ich finde, das weiß man eigentlich direkt, gut, der Mensch war eigentlich nie ein wirklicher Freund oder eine Freundin.

Sophie Samrock Ja, es gibt da schon einige Vorurteile, auch gegenüber Diabetikern oder Diabetes-Betroffenen. Hast du da schon mal irgendwas erlebt?

Timur Oruz Ich habe jetzt das große Glück gehabt, dass ich nie sonderlich übergewichtig war oder vielleicht körperlich, dass man mir hätte sagen können, Du hast nur eine Diabetes, weil du zu viel Süßes gegessen hast oder so, diese Klassiker. Klar, als ich jung war, musste ich mir den Spruch vielleicht schon mal anhören. Jetzt, heutzutage ist es bei mir eher so ein Provozieren/Necken meiner Mitspieler, dass sie sagen, Ja gut, du siehst körperlich nur so aus, weil du Insulin spritzt. Und das liegt nur daran, das ist ja das anabolste Hormon unseres Körpers. Daher sinds mehr diese Sprüche. Darüber kann ich aber dann doch im Großen und Ganzen schmunzeln, weil ich weiß, ich bin stärker als die meisten meiner Mitspieler. Und wenn es mir zu bunt wird, dann zeige ich das zur Not auch mal und sag so jetzt Schnüss halten und gut ist. Also das ist mehr Humor. Noch mal, auch da, ich weiß sehr wohl, dass es auch andere Fälle gibt, in andere Richtungen. Da hatte ich jetzt großes Glück, vielleicht auch einfach, rate aber dann in so Situationen auch immer dazu, möglichst selbstbewusst aufzutreten und wenn es einfach zu bunt wird, sich von diesen Menschen auch zu distanzieren und gleichzeitig aber nicht distanzieren und verstecken, dass ist sicherlich der falsche Weg. Aber da sich Leute zu suchen, die einen akzeptieren, respektieren so wie man ist und sich quasi, wie ich es auch durch den Sport hab, einen Team-Freundeskreis zusammenzusuchen, der einem den Rücken stärkt und mit denen dann durchs Leben zu gehen.

Sophie Samrock Du bist aber der einzige Diabetiker im Team?

Timur Oruz Das bin ich, ja. Also da habe ich noch das Monopol quasi drauf. Ja, ist auch gut so. Ich wünsche es keinem, sage ich auch immer. Auch wenn ich selber sehr gut damit leben kann und mir auch keine andere Krankheit wünschen würde im Austausch. So Diabetes, das passt schon. Klar, in manchen Situationen verfluche ich ihn natürlich auch und könnte auch gut und gerne darauf verzichten. Aber dann lieber Diabetes als irgendeine andere chronische Erkrankung. Das ist schon in Ordnung.

Anja Roth Also du machst dich ja auch wirklich sehr stark für das Thema und wir haben uns ja auch wirklich kennengelernt auf einer Diabetes Veranstaltung, auf der Kidscon, diese Diabetes Fachtagung für Familien bzw. für Familien mit Kindern und Jugendlichen, die von Diabetes betroffen sind. Ich habe es damals leider nicht so ganz geschafft mitzubekommen, was du mit den Kindern und Jugendlichen an dem Tag gemacht hast, aber du engagierst dich in dem Bereich schon seit ein paar Jahren, glaub ich.

Timur Oruz Genau. Also da muss ich auch etwas ausholen. Es hat bei mir früher angefangen, als ich in der Nationalmannschaft begonnen habe, also in der U16 war ich so 14 Jahre alt, habe ich mich tierisch darüber aufgeregt, dass ich niemanden hatte, den ich mal fragen konnte, der mir mal seine Erfahrung wiedergibt aus dem Profisport/Leistungssport. Mein großes Vorbild war damals Timo Wache, der Fußball Torwart von Mainz 05, der in der Bundesliga gespielt hat, weil ich wusste Okay, der hat es irgendwie geschafft mit dem Diabetes. Aber ich hatte nie den persönlichen Draht zu ihm oder konnte ihn nie anrufen. So, und auch damals war es noch krasser als heute, dass man so von Diabetologen gehört hat, Leistungssport – Diabetes würde ich eher die Finger von lassen. Und ich habe damals einfach auch sehr, sehr harte Erfahrungen sammeln müssen. Bei meinem ersten Lehrgang, da, wo wir wirklich drei, viermal am Tag trainiert haben, sehr geknechtet wurden. Ich war dauerhaft unterzuckert, mir ging es echt nicht gut. Es waren Erfahrung, wo ich sagen würde, es ist sicherlich gut, wenn einjeder die vielleicht mal macht, aber nicht in der Ausprägung, wie ich sie machen musste. Und die werden sicherlich nicht notwendig gewesen, wenn ich schon damals jemanden gehabt hätte, der mir vielleicht erzählt hätte, ach übrigens ich, und wenn es irgendeine andere Sportart ist, ich betreibe das und das und habe die Erfahrung gemacht, ich brauch nicht mal ein Drittel des Insulins, dann hätte ich nicht angefangen, nur ein, zwei Einheiten zu reduzieren am Anfang, sondern wär direkt deutlich stärker runtergegangen. Und dieses Meckern, was ich oder was wir alle gut können, habe ich dann auch viele Jahre praktiziert und meine eigenen Erfahrungen gemacht, aber auch mich selber dann durchgebissen. Bin meinen Weg gegangen und 2016, bei meinen ersten Olympischen Spielen gab es dann ein Hockey Film „Ecke, Schuss – Gold!“, wo auch tatsächlich an irgendeiner Stelle mal vorgekommen ist, dass ich mir Insulin spritze, dass ich Diabetiker bin, weil das muss ich auch sagen, ich habe nie den Diabetes so nach außen als Entschuldigung oder Vorwand getragen. Finde ich auch nicht gut, oder Mitleid wollte ich damit nie erzeugen. Das hatte aber die Kehrseite der Medaille, dass es die außenstehenden Menschen, die jetzt nicht bei mir im Team sind, so gar nicht wussten. Und durch den Film ist das tatsächlich dann, in der Hockey Welt zumindest, so ein bisschen publik geworden. Und ich habe plötzlich von Kindern und Jugendlichen, die auch Hockey spielen und betroffen sind, Nachrichten bekommen über Social Media, die sagten, Ach krass, das Diabetes, das wussten wir ja, ach wie cool ich auch. Und darf ich dich mal was fragen. Und da hat es bei mir dann irgendwann so klick gemacht, dass ich dachte, Oh wow! Ich habe mich ja zu dem Zeitpunkt nicht als tollen Sportler gesehen oder als riesen Vorbild für andere. Ich war immer noch der junge Timur, der zwar plötzlich bei Olympia ist, aber hab jetzt nicht gedacht, dass ich plötzlich in der Rolle eines, für mich zumindest damals, Timo Wache sein könnte. Habe dann aber überlegt, Okay, früher meckern, jetzt könntest du es ja besser machen und hab dann angefangen zu schauen, Okay, wie kann ich denn Kids/Jugendliche, jetzt nicht nur die Hockey spielen, erreichen und da als Vorbild dienen? Und da bin ich dann Stück für Stück, über verschiedene Kanäle, dann reingekommen, dass ich Vorträge halten konnte, dass ich mein Thema platzieren konnte, dass ich Workshops geben konnte für Kids und das mache ich seitdem sehr aktiv. Es macht mir total viel Spaß, ist eine absolute Win-win-win Situation. Ich lerne viele tolle Menschen kennen, die auch im medizinischen Bereich tätig sind, was mir selber natürlich auch durch mein Studium viel bringt. Ich lerne viel von anderen Betroffenen auch. Es ist ja nicht so, dass ich wüsste, wie alles immer funktioniert. Also profitiere selber davon und kann aber auch mein Wissen, meine Erfahrungen weitergeben, was hoffentlich oder ganz gewiss dann auch anderen hilft. Die in Situationen sind wie ich damals und daher mache ich das sehr gerne.

Anja Roth Ja, großartig. Ich glaube, es ist auch sehr, sehr gut angekommen auf der Veranstaltung damals, so wie ich es erlebt hab.

Timur Oruz Ja, das müssen andere beurteilen. Aber ja das Feedback, was ich bekommen habe, das war eher positiv.

Sophie Samrock Kennst du außer diesem Mainz 05 Spieler noch andere Leistungssportler?

Timur Oruz Ja doch, da gibt es viele! Also auch in der Hockey Welt gibt es tatsächlich noch welche. Ich kenne allerdings auf dem Niveau eher andere, also nicht in Deutschland, beim Hockey. Aber auch in der Fußballwelt gibt es mittlerweile doch auch immer welche, die betroffen sind und die es auch auf hohem Niveau schaffen. Die es leider Gottes nicht ganz so kommunizieren nach außen wie ich das mache.

Sophie Samrock Ja, kriegt man wenig mit irgendwie.

Timur Oruz Genau, ja. Da gibt es die unterschiedlichen Argumente und Gründe, warum das so ist. Aber doch, wenn man genau hinschaut, gibt es doch in der Sportwelt mittlerweile viele andere, die es auch haben und auch gut hinbekommen. Leider nicht immer ganz so offen mit nach außen hin gehen und das kommunizieren. Aber doch, ja!

Sophie Samrock Komisch, weil dir schlägt ja auch nur positives Feedback entgegen, ne?

Timur Oruz Ja, also ich habe mit dem einen oder anderen auch schon sprechen können. Leider mit viel zu wenigen, weil dann das Management oder so dazwischen steht. Aber ich finde einfach kein Argument, weshalb man es nicht kommunizieren sollte.

Sophie Samrock Ja, naja, vielleicht ändert sich das noch in den nächsten Jahren. Wäre ja wünschenswert.

Timur Oruz Ich hoffe es.

Anja Roth Hast du eigentlich dein Medizinstudium auch aus dem Grund aufgenommen? Hast du gedacht, da möchte ich mehr drüber erfahren über meine Erkrankung. Oder war das ein Grund deine Erkrankung?

Timur Oruz Ja, ganz bestimmt. Das gibt es auch quasi schwarz auf weiß Beweise für. Ich habe früher in die Freunde-Bücher, die es so in den Schulen gab, immer rein geschrieben, Ich möchte Medizin-Forscher werden, um was zu finden, um den Diabetes zu bekämpfen, als kleiner Junge. Also da sieht man natürlich schon, dass es irgendwie so eine Hassliebe auch war oder auch heutzutage noch ist. Ja Medizin-Forscher möchte ich sicherlich nicht mehr werden, aber die Verbindung zur Medizin ist da sicherlich schon aufgekommen, muss da aber auch meine Eltern beide sicherlich nennen. Meine Mutter habe ich schon erwähnt als Kinderärztin, mein Vater als Hals-Nasen-Ohrenarzt. Jetzt nicht die direkte Verbindung zum Diabetes, aber beide sind auch Vorbilder für mich und daher hat das sicherlich auch gepasst. Oder auch da gab es eine Verbindung/ Schnittstelle zur Medizin und ja, deshalb bin ich da gelandet. Und ob ich jetzt früher oder später wirklich dann in der Diabetologie oder so lande, das weiß ich tatsächlich noch gar nicht so. Sagen mir dann viele Ach, dann machst du das bestimmt. Da habe ich noch ein bisschen Zeit, das zu entscheiden. Aber die Medizin ist sicherlich auch da schon so ein bisschen in die Schuhe gelegt worden oder in die Wiege.

Anja Roth Aber das ist ja wirklich, du hast einen ziemlich ausgelasteten Tag dann, wenn man das so hört, oder?

Timur Oruz Ja, genau, ich habe es gesagt. Mir wird nicht langweilig, also ist schon viel zu tun. Man muss aber auch gleichzeitig fairerweise sagen, Ich mach nicht alles gleichzeitig bei 100 Prozent. Also jetzt in so einer Phase, wo gerade die Olympischen Spiele im Fokus sind, da steckt natürlich das Medizinstudium enorm zurück. Also da mache ich grad wenig bis nichts. Und nach den Olympischen Spielen, wenn dann sportlich vielleicht mal Zeit ist, so ein bisschen zu verschnaufen, da fahre ich dann das Studium auch wieder hoch. Im Großen und Ganzen sind das aber natürlich schon zwei, drei ordentliche Baustellen, auf denen ich da unterwegs bin. Und das wäre sicherlich aber auch nicht möglich, wenn ich da nicht so viel Spaß hätte an beiden Sachen. Und das ist so der große, entscheidende Faktor, würde ich sagen. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, wie man das so schön sagt. So kann man das glaube ich beschreiben bei mir und daher funktioniert das bisher auch ganz gut.

Anja Roth Kannst du eigentlich dem Diabetes auch irgendwas Positives abgewinnen?

Timur Oruz Oh ja, ganz viele positive Sachen kann ich dem Diabetes abgewinnen, unter anderem sicherlich, dass frühere, schneller erwachsen werden. Die Disziplin, die ich sehr früh lernen musste. Das Feedback, was der Diabetes einfach mir persönlich, meinem Körper immer gibt. Dafür braucht man sicherlich auch eine leicht verrückt-positive Eigenschaft oder Einstellung dazu. Aber wenn ich merke, dass, das ist ein Lieblingsbeispiel von mir, wenn wir morgen einen Lauf machen oder so mit der Nationalmannschaft und meine Mitspieler alle sagen, So eine Scheiße, warum machen wir das? Und auch ich finde das blöd. Also ich mach das auch nicht gerne, aber ich dann spüre, dass ich nur die Hälfte an Insulin brauche dann beim Frühstück oder so. Dann ist das was, was ich schon bemerkenswert finde und das als sehr positives Feedback sehe und meine Mitspieler das so einfach nicht haben. Und das ist was Positives, was ich mitnehme und ja genau dem Diabetes dann auch abgewinnen kann.

Sophie Samrock Dann kommen wir jetzt zu unserem Faktencheck

Sophie Samrock Fakt 1: Am Beispiel von Timur sieht man sehr gut, auch Diabetes-Betroffene können erfolgreiche Leistungssportler und -sportlerinnen sein. Fakt 2: Gerade im Zusammenhang mit Sport ist es wichtig, Unterzuckerung vorzubeugen. Das heißt, es muss auf die richtige Ernährung und die richtige Insulinmenge geachtet werden. Und Fakt 3: Ein offener Umgang mit der Krankheit ist sehr wichtig. Die eigenen Erfahrungen mitzuteilen stärkt andere Betroffene und hilft bei der öffentlichen Aufklärung rund um Diabetes. Ja, dann haben wir sehr viel von dir erfahren, Timur. Ganz herzlichen Dank, dass du heute bei uns warst und uns so viel erzählt hast über deinen Sport, über Diabetes an sich. Wir hoffen, unsere Hörerinnen und Hörer konnten auch viel mitnehmen und wir würden uns freuen, wenn ihr wieder einschaltet.

Anja Roth Ja und auf jeden Fall drücken wir natürlich die Daumen für deine nächsten sportlichen Erfolge, welche auch immer das sein mögen, die da kommen.

Timur Oruz Ja, vielen, vielen Dank, dass ich heute dabei sein durfte. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Das Daumen drücken hilft sicherlich und seid gerne alle dabei an den Bildschirmen. Man kann es ja verfolgen bei Olympia und vielen Dank.

Sophie Samrock Mach’s gut bis dahin, Tschüss.