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Süßstoffe schlecht für Mikrobiom und Stoffwechsel? Neue Studie mit methodisch schwacher Aussagekraft

Neue Übersichtsarbeit von Wang et al.: Warum die Ergebnisse mit Vorsicht zu betrachten sind

Die aktuelle Übersichtsarbeit „Artificial and Other Non-Nutritive Sweeteners, the Microbiome, and Cardiometabolic Health” von Wang et al. (2026)¹ analysiert die Auswirkungen von kalorienfreien und kalorienarmen Süßungsmitteln auf die kardiometabolische Gesundheit und bezieht dabei die Rolle des Darmmikrobioms als möglichen Wirkmechanismus mit ein.

Studiendesign: Narratives Review mit Meta-Analyse

Bei der Arbeit handelt es sich um eine narrative Übersichtsarbeit (Review), die durch eine Meta-Analyse ergänzt wird. Ausgewertet wurden randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) und prospektive Kohortenstudien. Letztere sind sogenannte Beobachtungsstudien, die Zusammenhänge dokumentieren, aber keine Ursachen belegen können.

Der narrative Ansatz bringt dabei eine wesentliche Einschränkung mit sich: Es wurde kein systematischer Ansatz zur Auswertung der verfügbaren Evidenz verfolgt. Wichtige Studien blieben infolgedessen unberücksichtigt und die Qualität der Evidenz wurde nicht bewertet – beides hätte zu einer anderen Schlussfolgerung führen können.

Ergebnisse aus RCTs: Tatsächliche Relevanz der Werte

Die Autoren berichten auf Basis der RCTs von einem erhöhten Risiko für Insulinresistenz und schlechtere Blutzuckerkontrolle, gemessen am HbA1c-Wert. Ihre Schlussfolgerungen stützen sich dabei weitgehend auf statistisch signifikante Anstiege des Nüchterninsulins und des HbA1c. Der berichtete HbA1c-Anstieg betrug jedoch lediglich 0,07 % – ein Unterschied, der wahrscheinlich nicht klinisch bedeutsam ist und unter dem Niveau liegt, das allgemein als relevant für das glykämische Management gilt.

Nüchterninsulin ist zudem ein sog. Surrogat-Biomarker, der isoliert schwer zu interpretieren ist; insbesondere wenn keine konsistenten Auswirkungen auf andere Messwerte des Glukosestoffwechsels und der Insulinsensitivität vorliegen. Alle anderen Marker für die kardiometabolische Gesundheit – einschließlich Blutzucker, Insulinsensitivität, Blutdruck und Lipidprofil – unterschieden sich zwischen Süßungsmittel und Placebo oder Wasser nicht signifikant. Ein Vergleich mit Zucker oder anderen kalorienhaltigen Alternativen wurde nicht durchgeführt.

Studienergebnisse auf dem Prüfstand

Diese Ergebnisse ändern nichts an der Gesamtevidenz zugunsten von Süßungsmitteln als Zuckerersatz und sind aufgrund der sehr geringen Effektstärken sowie wichtiger methodischer Einschränkungen mit Vorsicht zu interpretieren.

Ergebnisse aus Kohortenstudien: Methodische Qualität begrenzt die Aussagekraft

Die Auswertung der prospektiven Kohortenstudien deutet laut den Autoren auf ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Adipositas hin. Die einbezogenen Studien wiesen jedoch vorwiegend geringe methodische Qualität auf. Studiendesigns, die auf Verzerrungen korrigiert und das Problem der umgekehrten Kausalität besser berücksichtigen, wurden zwar erwähnt, in der Analyse und den Schlussfolgerungen aber nicht stärker gewichtet.

Hervorzuheben ist außerdem, dass sich die Übersichtsarbeit auf Vergleiche von Süßungsmitteln mit nicht-kalorischen Kontrollprodukten wie Wasser konzentriert hat – und nicht auf deren vorgesehenen Verwendungszweck als Zuckerersatz.

Aussagekraft der Studienergebnisse: Ein Fazit

Die Ergebnisse dieser narrativen Übersichtsarbeit sollten mit Vorsicht betrachtet werden, da sie im Widerspruch zu aktuellen systematischen Übersichtsarbeiten stehen, die methodisch hochwertig sind und den Nutzen von Süßstoffen als Ersatz für Zucker belegen.

 

Literatur:

(1) Wang M, Wu OY, Wallen OG, Mozaffarian D. Artificial and Other Non-Nutritive Sweeteners, the Microbiome, and Cardiometabolic Health. Curr Atheroscler Rep. 2026;28:65. https://doi.org/10.1007/s11883-026-01429-9

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Anja RothÖFFENTLICHKEITSARBEIT DEUTSCHLAND

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